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Kaltbrunn
24.05.2020
23.05.2020 23:31 Uhr

Lange vom Kloster Einsiedeln beherrscht

Die Kaltbrunner Kirche St.Georg stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Vor ihrem Eingang (rechts) erstreckt sich ein Dorfplatz. Bild: Linth24 / Stefan Knobel
Kaltbrunn begann als alemannischer Gutsbetrieb, erlebte einen grossen Dorfbrand und besass einst sogar Vorkommen von Kohle.

Am Rand der Linthebene, beim Übergang in die Voralpen, liegt die Gemeinde Kaltbrunn. Ihr Gebiet überwindet zwischen dem Riet und üsseren Gheist etwa tausend Höhenmeter. Über 4800 Menschen bewohnen den Ort, der sich durch sein gelebtes Brauchtum – Jahrmarkt, Viehmarkt, Chläuse – und die Natur – insbesondere das geschützte, artenreiche Flachmoor – auszeichnet.

Mittelalterlicher Dinghof

Sieht man von den prähistorischen Spuren menschlicher Präsenz auf dem Schlossbüchel ab, konzentriert sich Kaltbrunns Ortsgeschichte im Wesentlichen auf die Zeit seit dem Mittelalter. Sie setzt ungefähr im 5./6. Jahrhundert ein, als die Alemannen hier einwanderten und eine ausgedehnte Sumpflandschaft vorfanden. Dennoch wurde in der Folgezeit ein grösserer herrschaftlicher Gutsbetrieb, ein Dinghof, angelegt. Das Gehöft gelangte 972 unter dem Namen Chaldebrunna in den Besitz des Klosters Einsiedeln und wurde abgabepflichtig. Die lokale Grundherrschaft des Klosters dauerte bis 1798 an.

Chaldebrunna geht auf eine althochdeutsche Zusammensetzung aus dem Adjektiv kalt «kalt, kühl» und dem Nomen brunno «Quelle, Wasser, Brunnen» zurück; die Gesamtbedeutung war ursprünglich «bei der kalten Quelle» (o.ä.). Die Verwendung von kalt bei Ortsnamen bezog sich oft auf ein kaltes und nasses Gebiet, manchmal auch auf Nordlage.

Während die frühen Namensbelege im Anlaut mit ch-Laut verschriftet wurden, vgl. z.B. Chaltebrunun und Chaltebrunnen (um 1045), setzten sich bis zum Ende des Spätmittelalters die Schreibvarianten mit k-Anlaut durch: Nicholaus de Kalthebrunnen (1259), H. Brvno vnd Jacob von Kaltbrvnnen (1310), ze Kaltprunn (1332), ze Kaltbrünnen (1428). Von hier führte kein weiter Weg zur Form Kaltbrunn (ab 1430), die seit dem 19. Jahrhundert amtlich ist.

Im Zentrum Kaltbrunns steht dieser Dorfbrunnen. Bild: Linth24 / Stefan Knobel

Neuzeitliche Veränderungen

Im Jahr 1794 wuchs ein zur Laubverbrennung entfachtes Feuer zu einem verheerenden Dorfbrand an, dem weite Teile Kaltbrunns anheimfielen. Das betroffene Areal wurde später dazu genutzt, ein neues, durchgeplantes Dorfzentrum mit Pfarrkirche und Dorfplatz errichten.

Während des 19. Jahrhunderts veränderte sich die Landschaft in der näheren Umgebung stark. Die Linthkorrektion sowie spätere Bachverbauten und Kanäle drängten die einst umfangreichen Moorgebiete zurück. Durch diese Eingriffe konnte sich Kaltbrunn von seinen periodischen Problemen mit dem Wasser befreien.

Die Kaltbrunner Erwerbsstruktur war lange von Ackerbau und Viehzucht geprägt. Ab 19. Jahrhundert bis zu den Weltkriegen wurden Schieferkohlevorkommen abgebaut. Der 1904–1910 erfolgte Anschluss an die Ricken-Bahnlinie begünstigte die Ansiedlung von kleineren Industriebetrieben und Gewerbe, die Wirtschaftsstruktur wandelte sich dadurch weiter. Heute arbeiten viele EinwohnerInnen auch auswärts.

Erläuterungen

Alemannen: ein deutschsprachiger Stamm der Germanen.

Althochdeutsch: die Vorstufe der heutigen deutschen Sprache.

Ressourcen

ortsnamen.ch: https://www.ortsnamen.ch/

Historisches Lexikon der Schweiz (HLS): https://hls-dhs-dss.ch/

Stefan Knobel, Linth24