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Benken
17.05.2020
16.05.2020 23:23 Uhr

Kelten und Germanen, (fast) keine Römer

Zu den markantesten Bauwerken Benkens zählt die Kirche der Pfarrei Peter und Paul.
Zu den markantesten Bauwerken Benkens zählt die Kirche der Pfarrei Peter und Paul. Bild: Linth24 / Stefan Knobel
Auf dem namensgeschichtlichen Streifzug durch die Region legen wir einen Halt in Benken ein, das seinem Namen nach als Gehöft begann.

Inmitten der Linthebene erhebt sich ein relativ gut sichtbarer Hügel – der Benkner Büchel. Er überdauerte den kontinuierlichen Wandel seiner Umgebung von einer Seenlandschaft hin zu intensiv bewirtschaftetem Kulturland.

Von der Eisenzeit ins Mittelalter

Auf der geschützten Anhöhe des Büchels lassen sich Spuren einer befestigten vorrömischen Siedlung aus der Eisenzeit nachweisen. Somit lebten bereits mehrere Jahrhunderte vor unserer Zeit Menschen auf dem Gemeindegebiet Benkens. Aus der Periode des römischen Altertums stammen bislang einzelne Münzen, die abseits des Büchels in der Nähe des heutigen Bahnhofs gefunden wurden.

Nach der Zeitenwende verlandete die Seenlandschaft zunehmend, so dass im Frühmittelalter alemannische Siedler ihre Höfe errichten konnten. Einer dieser Alemannen trug den Lallnamen Babo, den man an das althochdeutsche Wort buobo «Bub» anschliessen kann. Er wurde zum Namensgeber der neuen Ansiedlung: Althochdeutsch *Babinghofun (o.ä., Dativ Plural) bedeutete ursprünglich «bei den Höfen der Sippe/Angehörigen des Babo». Ein wahrscheinlich anderer Babo gründete im nördlichen Kanton Zürich ebenfalls eine Gehöftsiedlung, das heutige Bebikon, ein Ortsteil von Buch am Irchel.

Erstmals bezeugt ist der Benkner Ortsname in einer Urkunde aus dem 8. Jahrhundert, welche die zwischenzeitliche Existenz eines nicht mehr genau lokalisierbaren Klosters in Babinchoua verbürgt. Um 1050 ist die Rede von einer Kirche in Bebenchon und Bebinkon. Später erfolgte eine lautliche Verkürzung des Namens zu Benchin und Benchon. Daraus entwickelte sich die nun amtliche Form Benken, erstmals belegt 1302 Peter Hauwe, der Wize von Benken.

Blick von Schänis aus in Richtung Benkner Büchel. Bild: Linth24 / Stefan Knobel

Teilung durch die Linth

Heute leben fast 3000 Menschen in Benken. Das Gemeindegebiet, von dem statistisch drei Viertel auf Äcker und Wiesen entfallen, wird seit der Linthkorrektion durch den Linthkanal geteilt. Der ältere Flussverlauf lässt sich jedoch anhand der südlichen Gemeindegrenze ansatzweise noch nachvollziehen.

Der Gewässername Linth dürfte einer sprachlich älteren Schicht angehören: Er lässt sich aus gallisch *Lindā herleiten, dessen Wurzel im Keltischen wohl etwas Nasses bezeichnete, vgl. etwa gallisch lindon «Getränk; Teich» und altirisch lind «Flüssigkeit» und «Teich, See». Dieser gallische Flussname wurde von den alemannischen Zuzügern zu einem so frühen Zeitpunkt übernommen, dass noch die Lautverschiebung von d zu t durchgeführt wurde, woraus sich dann althochdeutsch *Linta ergab, die unmittelbare Vorform von Lint(h).

Erläuterungen

Alemannen: ein deutschsprachiger Stamm der Germanen.

Althochdeutsch: die Vorstufe der heutigen deutschen Sprache.

*: eine unbezeugte, aber erschliessbare Form.

Gallisch: die Sprache der antiken Kelten in weiten Teilen der Schweiz und Frankreichs.

Altirisch: die Sprache der mittelalterlichen Kelten Irlands.

Ressourcen

ortsnamen.ch: https://www.ortsnamen.ch/

Historisches Lexikon der Schweiz (HLS): https://hls-dhs-dss.ch/

Delamarre, Xavier: Dictionnaire de la langue gauloise. Une approche linguistique du vieux-celtique continental. 2e édition revue et augmentée, Paris 2003: éditions errance.

Stefan Knobel, Linth24