Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Eishockey
25.10.2020
25.10.2020 07:01 Uhr

Lakers-Chef: «Ohne Einnahmen gehen alle Profi-Clubs Konkurs»

«Das oberste Ziel ist, die Saison zu Ende spielen zu können», sagt Markus Bütler im Interview mit Linth24. Bild: Sonja Hitz/Thomas Oswald. Bild: Linth24
Was passiert mit dem SCRJ, wenn Grossanlässe wegen der Corona-Krise wieder verboten werden? Linth24 bat Markus Bütler, Geschäftsführer der SCRJ Lakers, zum Interview.

Weder der Bundesrat noch der Kanton St. Gallen verbieten aktuell Grossanlässe wie das z.B. in Bern oder Basel bereits der Fall ist. Nächsten Mittwoch informiert der Bundesrat über weitere Schritte betreffend Corona-Massnahmen. Das Zittern bei den Sportclubs ist enorm. Auch SCRJ-Lakers-Chef Markus Bütler kann nur hoffen, dass die Saison fortgesetzt werden kann.

Linth24: Markus Bütler, was sind Ihre schlimmsten Befürchtungen?

Markus Bütler: Die darf und ich will ich gar nicht alle aufzählen, sonst würde ich nur alles heraufbeschwören. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als die Kommunikation abzuwarten. Momentan ist es so, dass alle Kantone westlich vom Aargau auf harte Massnahmen und Verbote setzen. Die Frage ist, ob der Bundesrat eher diesen Verboten folgt oder ob er auf die einzelnen Kantone hört und das Ganze kompetent anschaut und entsprechend handelt.

Kann die Saison 2020/21 unter diesen Voraussetzungen überhaupt noch fair zu Ende gespielt werden, wenn jeder Kanton andere Gesetze hat?

Die Chancengleichheit muss sicher vorhanden sein. Die Liga hat aber schon vor einiger Zeit entsprechende Entscheide gefällt, zum Beispiel gibt es nach dieser Saison keinen Absteiger. Es war uns allen von Anfang an bewusst, dass während dieser Saison nicht die gleich fairen Bedingungen herrschen werden wie wir es bisher kannten. Zum Beispiel ist der Spielrhythmus nicht überall gleich, v.a. wenn es Spielverschiebungen gibt aufgrund von Quarantäne wie jetzt zum Beispiel mit Fribourg und Lugano. Wenn nun aber über längere Zeit - wir sprechen hier von mehreren Monaten, nicht nur 1-2 Wochen - so grosse Unterschiede vorhanden sind, was die Zuschauerzahlen betrifft, kann es schon zu einem Problem werden. Da ist eine schweizweite Regel sicher sinnvoll.

Sind Ideen vorhanden für eine Art Solidaritätsmassnahmen, um diese Ungerechtigkeit etwas auszugleichen?

Nein, davon war noch nie die Rede. Momentan haben alle Clubs das Wasser nicht nur bis zum Hals, sondern bis zur Nasenspitze. Da ist kein Platz für Solidarität, jedenfalls was das Finanzielle betrifft. Sehr grosse Solidarität ist hingegen vorhanden, indem alle Clubs gemeinsam für die Sache kämpfen, mit dem Ziel, die Saison zu Ende spielen zu können.

Was passiert mit den SCRJ Lakers, wenn die Saison abgebrochen werden muss? Kann man sich einen Abbruch überhaupt leisten? 

Das kommt sehr darauf an, wer die Saison abbricht und wie es mit allfälliger finanzieller Unterstützung aussieht. Mit den jetzigen gesetzlichen Grundlagen kann sich kein Club einen Abbruch leisten. Ohne Einnahmen (u.a. auch TV-Gelder und Sponsoring) würden alle Profi-Clubs (Eishockey & Fussball) in der Schweiz Konkurs gehen. Ein Entscheid, dass weiter Eishockey gespielt werden kann, aber ohne Zuschauer, reicht bei weitem nicht. Ein Profi-Club ist ein Unternehmen und genauso abhängig von finanziellen Einnahmen wie eine andere Firma auch. Eine Fluggesellschaft kann den Flugbetrieb auch nicht aufrecht erhalten, wenn kein Geld reinkommt.

Könnten oder müssten Sie entscheiden – wie würden Sie weiterfahren mit der Saison?

Da gibt es so viele Parameter zu berücksichtigen. Ich bin froh, sind andere zuständig für diese Entscheidungen. Mein oberstes Prinzip ist, die Saison zu Ende zu spielen. Mit Massnahmen wie aktuell mit Geisterspielen im Kanton Bern ist das aber nicht möglich.

Dieses Virus wird voraussichtlich nicht einfach wieder verschwinden. Angenommen, 2021 wird ähnlich aussehen wie 2020: Wie lange kann der Profi-Sport mit all diesen Einschränkungen und Umsatzeinbussen überleben?

Vom Profi-Sport sind so viele Jobs abhängig. Da sind nicht nur die Spieler auf dem Feld oder der Trainer an der Bande betroffen, sondern auch viele Arbeitsstellen im Hintergrund. Und auch indirekt, zum Beispiel die Medien, welche je nachdem nichts mehr oder weniger zu berichten haben. Es muss eine allgemeine Lösung her, damit all die Leute den Job nicht verlieren. Andere Firmen erhalten Entschädigungen, z.B. in Form von Kurzarbeit. Das ist im Profi-Sport leider nicht möglich, da die Kurzarbeitsentschädigung nicht für befristete Verträge gilt. Im Sport, vor allem beim Trainer und der Mannschaft, sind aber alle Verträge befristet.

Wie kann man die SCRJ Lakers in dieser schwierigen Situation unterstützen?

Das ist eine gute Frage! Kommt ins Stadion, solange man kann. Kommt in Rot, und konsumiert etwas. Das Schutzkonzept funktioniert tadellos – bis jetzt gibt es keinen einzigen nachgewiesenen Fall. Die Zuschauer können sich sicher fühlen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Gibt es vielleicht sogar positive Aspekte, die man aus dieser schwierigen Zeit mitnehmen kann?

Die Leute merken, was man am sozialen Umfeld hat, oder eben nicht hat, wenn es fehlt. Viele Matchbesucher kommen nicht nur wegen dem Eishockey ins Stadion, sondern vor allem auch, um seine Freunde zu treffen und gemeinsam eine tolle Zeit zu verbringen. Zudem ist die Solidarität nicht zu unterschätzen, ich spüre das einerseits innerhalb vom Team, aber auch im weiteren Umfeld. 

Markus Bütler möchte an diese Stelle den Fans der SCRJ Lakers ein grosses Kompliment aussprechen:

«Viele Leute gingen davon aus, dass sich die Fans eh nicht an die Massnahmen des Schutzkonzepts halten. Das Gegenteil ist aber der Fall. Es ist beeindruckend, wie diszipliniert sich die Fans im Stadion verhalten – und die Stimmung wird von Spiel zu Spiel besser!»
Markus Bütler, Geschäftsführer der SC Rapperswil-Jona Lakers
Sonja Hitz, SCRJ-Korrespondentin Linth24