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Rapperswil-Jona
11.01.2021
10.01.2021 18:46 Uhr

Porthof: Neuer RaJoVita-Chef demaskiert Stadtrat

Der neue RaJoVita-Leiter führt in einem Interview aus, warum Pflegeabteilungen in Alterssiedlungen wichtig sind. Bild: Fabrizio Milano / Linth24
Folge 5. RaJoVita hat seit dem 1. Januar 2021 einen neuen Leiter. Aus einem Interview mit ihm geht hervor, dass die Schliessung der Pflegeabteilung im Porthof grundfalsch ist. Von Bruno Hug

Die Reportage in bisher vier Folgen (Folge 1, Folge 2, Folge 3, Folge 4) ergänzt Linth24 mit einem Interview mit Markus Bühler (45), dem neuen Leiter von RaJoVita. Es wurde im September 2018 in der Fachzeitschrift «Immobilia» publiziert. (Das Interview)

Bühler war von November 2011 bis 2020 bei der Tertianum Gruppe tätig, seit 2017 als Leiter der Unternehmensentwicklung. Er weiss also, wovon er spricht, wenn er sich zur Altersbetreuung äussert. Tertianum führt in der Schweiz mit fast 5'000 Mitarbeitenden 80 Altersbetriebe, 37 davon im reinen Pflegebereich.

Pflegeabteilung ist eminent wichtig

Bühlers zentrale Aussage im Interview ist: «All unsere Häuser verfügen über eine eigene Pflegeabteilung. Damit garantieren wir auch den Wohnungsgästen ein Sicherheitsnetz, welches in ihrem Zuhause nicht möglich wäre.»
Diese und weitere Aussagen von Bühler verdeutlichen, wie falsch die Eliminierung der Pflegeabteilung im Porthof ist. Linth24 publiziert aus dem Interview mit Bühler die wichtigsten Passagen:

Immobilia: Welche Dienstleistungen für Senioren übernimmt Tertianum?

Bühler: Wir bieten altersgerechte Wohnungen an, das sogenannte Wohnen mit Services. Im mittleren Preissegment können Dienstleistungen gegen Aufpreis in Anspruch genommen werden. Zum Beispiel sind Reinigungsleistungen und Mahlzeiten im Grundpreis nicht enthalten und ermöglichen es den Seniorinnen und Senioren so, ihre Kosten tief zu halten …
All unsere Häuser verfügen über eine eigene Pflegeabteilung. Damit garantieren wir den Wohnungsgästen ein Sicherheitsnetz, welches in ihrem bisherigen Zuhause nicht möglich wäre.

«All unsere Häuser verfügen über eine eigene Pflegeabteilung.»
Markus Bühler

Immobilia: Welches ist der Grundgedanke Ihres Angebots?

Bühler: Unser Grundgedanke ist es, dass Menschen im Alter nur einmal umziehen sollten: Zuerst ermöglichen wir den Pensionären ein selbständiges und unabhängiges Leben in einer unserer Wohnungen – mit oder ohne Beanspruchung von Servicedienstleistungen. Später können zusätzliche Dienstleistungen von Spitex oder Hausdienst angefordert werden. Mit zunehmender Pflegebedürftigkeit kann inhouse ein Wechsel in die stationäre Pflege erfolgen. Durch dieses vielseitige Angebot in einem Gebäude ermöglichen wir es Paaren, trotz unterschiedlicher Bedürfnisse unter einem Dach zu leben.

«Menschen sollten im Alter nur einmal umziehen.»
Markus Bühler

Immobilia: In welchem Alter entscheiden sich Ihre Klienten für den Umzug in eines Ihrer Häuser?

Bühler: Unsere Zielkundschaft waren ursprünglich pensionierte Senioren ab 65 ... Wegen der steigenden Lebenserwartung und des damit verbundenen gesundheitlichen Zustands entschliessen sich die Senioren heute aber erst viel später zu einem Umzug. ... Das durchschnittliche Eintrittsalter beträgt für Wohnungen aktuell rund 85 Jahre, für die Pflegeabteilung 86 bis 87 Jahre – Tendenz steigend.

Immobilia: Wo verläuft die Grenze zwischen Normal- und Luxussegment?

Bühler: Unsere Preise im Bereich Wohnen entsprechen den marktüblichen Mietpreisen zuzüglich eines Zuschlags für die Sicherheitsleistungen. Dazu gehört der Pflegenotruf-Knopf in allen Wohnungen, der rund um die Uhr einen pflegerischen Bereitschaftsdienst bedingt …

«Ich erwarte einen Wachstumsrückgang.»
Markus Bühler

Immobilia: Wie wird sich der Pflege-Immobilienmarkt in der Schweiz entwickeln?

Bühler: Ich erwarte in den nächsten Jahren einen Wachstumsrückgang … Von politischer Seite wird der Druck, keine neuen Pflegeplätze zu schaffen, bestehen bleiben.

Aussagen müssten zu denken geben

Entsprechend den Aussagen des neuen RaJoVita-Leiters ist der Abschuss der Pflegeabteilung im Porthof ein gravierender Fehlentscheid. Die erfolgreiche Tertianum-Gruppe – welche übrigens früher der Familie des Ex-RaJo-Vita-Leiters Christoph Künzli gehört hat – weiss, warum alle ihre Häuser über eine Pflegeabteilung verfügen: Weil «die Menschen im Alter nur einmal umziehen sollten». Die Seniorinnen und Senioren wollen in der Alterssiedlung zuerst nur in Sicherheit wohnen, dann zunehmend Pflege/Spitex (mit Nothilfe-Knopf im Zimmer) beanspruchen und, wenn es nötig wird, in die Pflegeabteilung im selben Haus umziehen. Das ermöglicht zudem Paaren ein langes Zusammenleben am selben Ort.

Die Aussagen des neuen RaJoVita-Leiters bestätigen, dass der Porthof richtig geplant war: als Alterssiedlung mit Pflegeabteilung und Pflegeservice.
Dass der Stadtrat nun genau das Gegenteil einleitete und damit noch Millionen verschleudert, ist ein Schande!

Bruno Hug, Linth24