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Rapperswil-Jona
09.01.2021
10.01.2021 22:34 Uhr

Porthof: So servierte der Stadtrat den Profi ab

Ex-RaJoVita-Leiter Christoph Künzli wollte die Pflegeabteilung samt Cafeteria und Pflegeservice im Porthof übernehmen. Der Stadtrat bremste ihn aus. Bild: Fabrizio Milano / Linth24
Folge 3. Obwohl eine Superlösung für den Pflegebetrieb im Porthof bereitstand, drückte der Stadtrat knallhart den Kindergarten durch. Die Hintergründe. Von Bruno Hug

Um das geht es nach Folge 1 und Folge 2 in dieser 3. Folge: Nachdem Stadtrat und RaJoVita den Porthof abserviert hatten, begann der Kampf um die Schadens- und Kostenverteilung. Eine Besonderheit dabei ist: Die Stadträte Tanja Zschokke (Grüne) und Ueli Dobler (CVP) sitzen sowohl im Stadtrat als auch im Stiftungsrat der Alterswohnungen. Der Stadtrat dirigiert damit auch die Bau-Stiftung. Ende September 2020 hätte es dann noch einen Ausweg aus dem Desaster gegeben: Der Ex-Leiter von RaJoVita, Christoph Künzli, wollte die Pflegeabteilung samt Cafeteria übernehmen. Der Stadtrat verhinderte das.

Wie wichtig in einer Alterssiedlung mit 150 Bewohnern eine Pflegeabteilung ist, weiss man in Rapperswil-Jona schon lange. Das in den 2010er-Jahren vom damaligen RaJoVita-Präsidenten Randolf Hanslin und Stadträtin Rahel Würmli aufgegleiste Projekt Porthof West mündete im Jahr 2014 in einen Architektur-Wettbewerb. Darin wurde von den Architekten explizit gefordert, in der Baute sei «eine Pflegeeinheit» einzuplanen.

Auf einmal alles anders

Danach folgten, wie in Folge 2 beschrieben, die Lobgesänge auf die kommende «familiäre 19-Betten-Pflege mit Service» im Porthof. Bis alles wieder anders wurde. Der Neubau war schon in vollem Gange, als RaJoVita «in Absprache» mit dem Stadtrat Ende 2019 bei der Porthof-Cafeteria und im Juni 2020 auch bei der Pflegeabteilung ausstieg.

Stadträte als Täter und Opfer

Danach begann das Seilziehen, wer was bezahlt. Das führte und führt zu neuen Problemen. Denn die zwei Stadträte Tanja Zschokke und Ueli Dobler sitzen sowohl im Stadtrat als auch in der Bau-Stiftung. Sie waren somit beim Pflege-Abschuss mit dabei und wurden in der Bau-Stiftung dann Opfer ihres eigenen Entscheids! Für wen sollen sie sich nun einsetzen? Für die Täter, den Stadtrat, oder für das Opfer, die Bau-Stiftung?

Mitten in diesem irrigen Spiel brachte der Stadtrat seinen Kindergarten aufs Tapet. Zeitgleich führte Zschokke Gespräche mit möglichen neuen Pflege-Betreibern für den Porthof. Sie blieb aber (selbstverständlich) erfolglos – mehr darüber später.

Ex-RaJoVita-Leiter tritt an

Am 30. September 2020 erfuhr der in Altersfragen erfahrene Ex-Leiter von RaJoVita, Christoph Künzli, vom Aus der Porthof-Pflege. Sogleich teilte er Tanja Zschokke sein «grosses Interesse» an der Führung von Pflegeabteilung und Cafeteria mit.
Künzli sagte Linth24 dazu: «Da ich das Projekt bestens kannte, musste ich mir keine grossen Gedanken machen. Ich wusste, dass es funktioniert und dass es eine sehr gute Sache ist.»
Sein Interesse unterstrich Künzli am 2., am 12. und am 15. Oktober in drei Briefen an Tanja Zschokke und Stadtrat Luca Eberle, der verantwortlich für das Ressort Gesellschaft und Alter ist.

Rund drei Wochen später fragte Künzli bei Zschokke telefonisch nach dem «Stand der Dinge». Künzli sagt dazu, Zschokke habe ihm ausgeführt, im Stiftungsrat seien «zuerst alle hoch erfreut gewesen», später aber seien Bedenken aufgekommen. Sie sei jedoch «voll davon überzeugt», dass er der richtige wäre und die Pflegeabteilung mit «viel Herzblut führen würde».

Stadtrat torpediert Lösung…

Am 24. November 2020 mailte Künzli auch Stadtpräsident Stöckling an und schrieb ihm: «Mein einziges Anliegen ist es, dass die Pflegewohnung, von wem auch immer, umgesetzt wird …und ich auf mein Schreiben an die Stadt eine schriftliche Antwort erhalte».
Das bekam er nicht. Dafür am 16. Dezember 2020 eine telefonische Absage. Zschokke sagte ihm, ihr Stiftungsrat Alterswohnungen Jona habe sich für den Kindergarten entschieden. «Sie bedaure ausserordentlich, dass die Pflegeeinheit im Porthof nicht umgesetzt werde.»
Am 24. Dezember sagte Zschokke der Linth-Zeitung noch: «Als Künzlis Angebot im Herbst gekommen sei, sei der Kindergarten bereits aufgegleist gewesen.»

Womit klar wird: Der Stadtrat unter Präsident Stöckling wollte keine Lösung des Problems, sondern die Porthof-Pflege versenken, was sich in Folge 4 noch doppelt bestätigt.

Bruno Hug, Linth24