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Rapperswil-Jona
10.01.2021
10.01.2021 07:13 Uhr

Stöcklings Schachen führt zum Porthof-Desaster

Stadtpräsident Martin Stöcklings Schachen-Projekt überschattet die gesamte Altersstrategie von Rapperswil-Jona. Bild: Fabrizio Milano / Linth24
Folge 4. Linth24 zeigt, wie alle Fäden in der Rapperswil-Joner Alterspolitik zusammenlaufen und wieso die Stadt für den Schachen den Porthof opfern will. Von Bruno Hug

Um das geht es nach Folge 1, Folge 2 und Folge 3 in dieser 4. Folge: Ende Januar 2020 entliess der Präsident von RaJoVita, Daniel Lätsch, seinen operativen Leiter Christoph Künzli. Er warf ihm vor, bezüglich Alters-Strategie nicht seiner Meinung zu sein. Kaum war Künzli (per sofort) aus dem Haus, versenkten Lätsch und der Stadtrat die Porthof-Pflege. Zu dieser Zeit liefen auch die Vorbereitungen fürs nächste Altersprojekt auf Hochtouren: für das 65-Millionen-Alterszentrum Schachen mit 172 Pflegebetten. Dieses hat Stadtpräsident Stöckling zu seinem Thema gemacht. Er will es mit Fremdinvestoren finanzieren, worüber im Juni abgestimmt wird. Jedoch: Die Trends in der Alterspflege zeigen, dass der Bedarf an Pflegeplätzen abnimmt. Womit die Grösse des Schachen hinterfragt werden müsste. Damit aber würde der Braten für die Investoren weniger fett werden, was Stöckling wohl auch wieder nicht will.

Am 22. Januar 2020 bestellte der Ex-Militär und RaJoVita-Präsident Daniel Lätsch seinen operativen Leiter, Christoph Künzli, in sein Büro und entliess den mit besten Qualifikationen ausgestatteten Kadermann per sofort. Nach fünf Jahren Mitarbeit. Wegen «unterschiedlicher Auffassungen über die Führung und die strategische Ausrichtung von RaJoVita», wie Lätsch mitteilte.

RaJoVita-Stiftungspräsident Daniel Lätsch: «Unterschiedliche Auffassungen».

Stöcklings Schachen

Diese erstaunliche Entlassung dürfte viel mit den Plänen von Stadtpräsident Stöckling für das 65 Millionen Franken teure Altersprojekt Schachen zu tun haben. Dort sollen 2023 die Bagger auffahren. Stöckling dirigiert die Planung dieses 172-Betten-Komplex und will ihn durch fremde Investoren finanzieren lassen.
RaJoVita-Leiter Künzli fand das falsch und bekundete dies auch. (Und er hätte auch den Abschuss der Porthof-Pflege nicht mitgetragen.) Künzli stand somit den Schachen-Plänen von Stöckling im Weg. (Bericht Linth24)

Dabei ist Künzli mit seiner Investoren-Ablehnung nicht allein. Insbesondere die Partei SP und das Gewerbe sind dagegen. Und all jene, die nicht wollen, dass ein fremder Investor an einer städtischen Altersbaute Geld verdient.

Angst vor Tiefschlag

Als der Druck gegen Stöcklings Investoren-Idee zu gross wurde, setzte er dazu auf Juni 2021 eine Volksabstimmung an. Diese will er gewinnen, ansonsten er einen weiteren politischen Tiefschlag kassiert.

Um zu obsiegen, muss der Schachen für die Investoren ein fettes Geschäft bleiben, damit Stöckling seine Idee den Bürgern schmackhaft machen kann. Kommt dazu, dass die Stadt die Investoren-Suche abgeschlossen hat.

Pflegebetten-Bedarf geht zurück

Andererseits geht der Bedarf nach Pflegebetten zurück. Das weiss auch der Stadtrat. In seiner Mitteilung zum Porthof schrieb er am 18. Dezember 2020, die Tendenz zur Spitex nehme zu, während die Eintritte in Pflegeheime abnähmen. Deshalb genüge der Schachen trotz der Schliessung der Porthof-Pflegeabteilung.

Übrigens: Auch die Kantone halten ihre Gemeinden an, die Pflegebetten zu reduzieren.

Porthof musste weg

Um den Schachen gross zu halten, stand die Porthof-Pflege somit im Weg. Dies wird auch dadurch bestätigt, dass der Stadtpräsident beim Pflege-Abschuss im Porthof fleissig mitorchestrierte.
Und hätte er es mit seinen damaligen Aussagen ernst gemeint (siehe Folge 2), dass Betagte vor allem «Alterswohnungen mit Service» suchen, hätte er RaJoVita zur Einhaltung ihrer Vereinbarungen drängen müssen. Oder er hätte sich für eine Ersatz-Betreiberin eingesetzt. Beides tat er nicht – im Gegenteil!

Bau-Stiftung in Not

Es bleiben noch folgende zwei Fragen: Warum lässt sich die Bau-Stiftung derart an die Wand spielen? Und weshalb griff sie nicht nach dem Rettungsangebot von Künzli, obwohl die Stiftungsräte gemäss Zschokke von seinen Fähigkeiten überzeugt waren? 

Erstens: Die Stiftung ist in Not. Ihr 30-Millionen-Bau Porthof ist Mitte Jahr bezugsbereit. Die Wohnungen müssen vermietet werden. In dieser Situation muss die Stiftung auch die kühnsten Stadtrats-Kapriolen schlucken.

Stadtrat torpediert letzte Rettung

Zur Beantwortung der zweiten Frage ist Hintergrundwissen erforderlich: Um einen Pflegebetrieb zu führen braucht es eine kantonale Bewilligung. Grundlage dazu ist die Empfehlung der Standort-Gemeinde. Fehlt diese, gibt es für den Betreiber keine Betriebsbewilligung. Somit kann er die Pflegekosten nicht über die Krankenkassen abrechnen und kann finanziell nicht überleben.  

Da sich der Stadtrat vehement gegen das Engagement von Künzli wehrte – und Zschokke und Dobler dies in die Bau-Stiftung trugen – hatte der Stiftungsrat Angst davor, Künzli die Pflegeabteilung zu übergeben. Womit die betagten Mitmenschen im Porthof auf der Strecke bleiben.

Bruno Hug, Linth24