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Rapperswil-Jona
18.01.2022

Josephine retour in Rwanda, Teil 3

Josephine besuchte das Dorf, in welchem sie bis zu ihrem 14. Lebensjahr wohnte.
Josephine besuchte das Dorf, in welchem sie bis zu ihrem 14. Lebensjahr wohnte. Bild: zVg
Zum ersten Mal seit 28 Jahren kehrt Josephine nach Rwanda zurück. Im dritten Teil ihres Reiseberichtes kehrte sie in ihr Dorf zurück, in welchem sich einige Dinge verändert haben.

Nach ihrer Flucht 1994 kehrt die in Jona wohnhafte Josephine Niyikiza zum ersten Mal nach 28 Jahren in ihr ursprüngliches Heimatland Rwanda zurück. Auf Linth24 erzählt sie von ihren Erfahrungen. Nach Teil 1 und Teil 2 folgt nun der dritte Teil.

  • Reisebericht aus Rwanda von Josephine

«Nachdem wir das Auto mit 3 Koffern voller Geschenke und Lebensmittel geladen haben, fuhren wir um 6:30 Richtung Westen los. Bis zu unserem Tagesziel in Kibuye am Kivusee hatten wir 137 kurvenreiche Kilometer und 3.5 Stunden Fahrt durch eine malerische, hügelige Landschaft vor uns – Ruanda heisst auch «Land der 1’000 Hügel», gefühlt waren es eher 10'000…

Nach 3 Stunden gab es einen Zwischenstopp, bei welchem wir zuerst in einem Restaurant unseren Hunger mit einem feinen Menü stillten. Anschliessend machten wir bei der Familie meiner Schwester einen Überraschungsbesuch. Die Kinder hatten grosse Freude an der Schokolode und die Augen des Jungen strahlten als er den Fussball sah. Dazu gab’s auch Kleider, einen Sack Reis, eine Flasche Öl und Zucker. 

Wertvoller Kontakt bei der Behörde

Um 13 Uhr hatte ich einen Termin bei der Verwaltung des «Kantons» in welchem mein Dorf liegt. Ich durfte meine Stiftung love4all der zuständigen Person vorstellen. Es entwickelte sich ein sehr interessantes 2-stündiges Gespräch, in welchem sie mir auch aufgezeigt hat, wo sie den grössten Handlungsbedarf bei der Bevölkerung sieht. Die Hauptthemen aus ihrer Sicht sind: Armut, Arbeitslose Jugendliche, Gesundheitswesen, Behinderte und Albinos. Sie bestätigte mir, dass mein Dorf in der Region liegt, welche am meisten Unterstützung braucht. Sie hat mir auch viele Links und Informationen zugestellt, welche ich dann in der Schweiz mit dem love4all Team anschauen werde. Eines ist sicher, ich konnte einen sehr wertvollen Kontakt bei der Behörde knüpfen, welche auch ein Herz für die Unterstützungsbedürftigen hat.

Anschliessend gings weiter zu Kivusee, wo wir ein preiswertes, schönes Hotel mit Sicht auf den Kivusee gefunden haben. Nach einem kleinen Abendessen gingen wir schlafen, denn wir hatten einen anstrengenden Tag vor uns.

Die Strasse zum Dorf Murundi. Bild: zVg

Angekommen im Dorf

Bis zu meinem Dorf Murundi brauchten wir 3 Stunden, ein Grossteil davon auf Galopp-Strassen ohne Teerbelag. Zum Glück hat es nicht geregnet und waren alle die Holzstämme der Brücken soweit intakt, dass wir drüberfahren konnten. Zuerst besuchten wir meinen Onkel, wo wir etwas tranken, und wo ich mit dem Schulleiter und dem Pfarrer meinen Besuch ein letztes Mal abgestimmt habe.

Wenig sieht aus wie früher...

Zuerst gings zur Kirche, die heute innen und aussen ganz anders aussieht. Auf der Strasse wurde ich immer wieder von Leuten angesprochen, welche gesagt haben, dass sie mich kannten. Ich konnte mich bei den meisten aber nicht erinnern. Kein Wunder, denn ich war ja erst 14 Jahre alt, als ich mein Dorf verliess. Ich wechselte meine Schuhe, denn jetzt gings zu Fuss auf meist steilen Fusspfaden durch die Felder, immer wieder kamen wir an Häusern vorbei. Eigentlich sah wenig aus wie früher. Die alten Häuser waren entweder zerfallen oder wurden durch neue ersetzt, Strassen wurden verlegt und sind in viel schlechterem Zustand als damals.

...aber trotzdem bekannt

Und doch habe ich mein Dorf wiedererkannt und es kamen laufend mehr Erinnerungen hoch, z.B. wer wo gewohnt hat. Ich war erstaunt, als ich hörte, dass Murundi heute 30'700 Einwohner hat, denn das Zentrum sieht immer noch aus wie ein Dorf und nicht wie eine Stadt. Grund hierzu ist die grosse Fläche und die vielen über die Hügel verteilten Häuser.

Josephine war auch bei ihrem Onkel (l.), zusammen mit dem Pfarrer (r.) und dem Gemeindepräsidenten. Bild: zVg

Eindrückliche Begrüssung in der Primarschule

Nun gings zur Primarschule, die ich besucht habe und an welcher aktuell 29 Lehrer 1100 Schüler unterrichten. Sie wird mit Spendengeldern aus der Schweiz unterstützt, grösstenteils von den beiden Hilfsorganisationen «run for Rwanda» und «love4all». Als wir ankamen standen alle Schüler draussen und haben gesungen und einige dazu getanzt und getrommelt. Das war eine sehr eindrückliche Begrüssung! Dann wurden wir durch den Schulleiter, den Pfarrer und dem Gemeindepräsident begrüsst. Im Anschluss durfte ich dann mit dem Gemeindepräsidenten die drei neuen mit Spenden finanzierten Schulzimmer eröffnen. Die Kinder haben nochmals gesungen und getanzt. Dann hat eine Schülerin ein mir gewidmetes Gedicht vorgetragen, das hat mich sehr berührt.

Riesige Freude der Kinder

Nun war es an der Zeit die mitgebrachten Schultaschen, Kugelschreiber und Bälle zu verteilen. Die Freude der Kinder war riesig! Ich machte einen Rundgang und habe alle gesponserten Anlagen gesehen und kann sagen: Es wurde alles genau so umgesetzt, wie wir dies besprochen haben. Es war sehr schön, meine Vertrauenspersonen vor Ort persönlich kennenzulernen. Ich wurde darin bestätigt, dass sie wirklich vertrauenswürdig sind, was für ein Geschenk! Dank gebührt auch allen, die mit einer Spende all das Umgesetzte erst möglich gemacht haben.»

Die Schulkinder hatten grosse Freude an ihren Geschenken. Bild: zVg
Linth24