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Rapperswil-Jona
16.01.2022
13.01.2022 10:29 Uhr

Josephine retour in Rwanda, Teil 2

Unter anderem besuchte Josephine das «Handwork Training Center» ihrer Stiftung «love4all».
Unter anderem besuchte Josephine das «Handwork Training Center» ihrer Stiftung «love4all». Bild: zVg
Zum ersten Mal seit 28 Jahren kehrt Josephine nach Rwanda zurück. Im 2. Teil ihres Reiseberichtes besucht sie ihre Stiftung, einen Markt und Kraniche, bei welchen ihr sogleich Kindheitserinnerungen hochkamen.

Nach ihrer Flucht 1994 kehrt die in Jona wohnhafte Josephine Niyikiza zum ersten Mal nach 28 Jahren in ihr ursprüngliches Heimatland Rwanda zurück. Auf Linth24 erzählt sie von ihren Erfahrungen. Nach Teil 1 folgt heute der zweite Teil.

  • Reisebericht aus Rwanda von Josephine

«Am Montag besuchten wir meine Schwester im Spital, wo sie als Ernährungsberaterin arbeitet und für das gesamte Spital verantwortlich ist. Neben dem Verschreiben von Produkten gehört auch die Beratung der Eltern und die enge Zusammenarbeit mit Ärzten und weiteren Fachkräften des Spitals zu ihrem Aufgabengebiet. Am Schluss hat sie uns das Zimmer gezeigt, in welchem die hospitalisierten Kinder mit Unter- und Mangelernährung behandelt werden. Das ging mehr unter die Haut und hätte sicher jeden sehr bewegt, nicht nur mich.

Kindheitserinnerungen kommen hoch

Anschliessend besuchten wir die «Umusambi Village», ein Landschaftsschutzgebiet in der Umgebung von Kigali – «Umusambi» heisst Kranich. Als ich die Kraniche sah, kamen schöne Kindheitserinnerungen hoch, denn von diesen gab es viele in meinem Dorf. Ich war erstaunt zu hören, dass es gar nicht mehr so viele gibt und sie heute schutzbedürftig sind. Die Landschaft, das Vogelgezwitscher und die Ruhe war eine gute Erholung. Jetzt war ich fit genug für den Coiffeur und habe nun eine praktische Kurzhaarfrisur – für 7 Franken!

Josephine in der «Umusambi Village». Bild: zVg

Kurzvisite bei der Stiftung

Am Dienstag machten wir eine Kurzvisite beim Handwork Training Center von  der von mir gegründeten Stiftung «love4all». Mein Herz war mit Dankbarkeit gefüllt, als ich die Schüler in den Ateliers nähen und als Herren- und Damen-Coiffeur arbeiten sah, denn es war alles genau so umgesetzt, wie wir es besprochen hatten. Es ist ein Geschenk, Spender in der Schweiz (vielen Dank an alle) und Personen vor Ort zu haben, welche mit den Spendengeldern der Schweiz so vertrauensvoll umgehen und bei der Entwicklung des Projekts ihre Erfahrungen einbringen.

Gewissheit, dass die Spenden ankommen

Jetzt habe ich die Gewissheit, dass die Spenden wirklich ankommen und Menschen eine Chance für Morgen geben. Spontan haben wir im Internet Kleider ausgesucht, uns ausmessen lassen und einen Auftrag erteilt. Unser nächstes Ziel war in Kigali, wo wir Stoffe kauften – wer die Wahl hat hat die Qual. Nun hatten wir definitiv Hunger. Wir gingen in einem Shopping Center ins Restaurant, vergleichbar mit jenen von Migros oder Coop. Das Essen war fein und ausgewogen, das Menü kostete inklusive Getränk nur 2 Franken!

Auf dem Markt

Nachdem unser Chauffeur uns nach Hause gebracht hat ging ich mit einer «Muzungu» (Weisse) auf den Markt. Wir fühlten uns jederzeit sicher, waren aber froh, dass wir uns beim Eingang des Marktes einen offiziellen Marktführer engagiert haben, der zielstrebig durch den Markt führte. So schafften wir es in den 15 bis zum Marktschluss verbleibenden Minuten, alles zu besorgen.

Auf dem Markt gab es viele Dinge zu sehen. Bild: zVg

Gespräche mit dem Marktführer

Im Anschluss unterhielt ich mich noch mit dem 24-jährigen Marktführer und fragte ihn, warum sein Gilet eine Nummer hat. Er begann zu erzählen: «Meine Familie lebt im Dorf und ist sehr arm. Eines Tages kam ein Junge zurück aus der Stadt und eröffnete einen Stand. Er erklärte mir, wie er sein Geld verdiente und ermutigte mich es auch zu versuchen. Genau das tue ich jetzt. Meinen Job als Marktbegleiter/Träger habe ich von der Kooperative der Strassenkinder. Ihr Ziel ist es, dass junge Leute nicht herumhängen, sondern beschäftigt und betreut sind. Die Nummer auf meinem gelben Gilet identifiziert mich. Bei Problemen melden sich die Leute bei der Kooperative und diese sich bei mir. Ich gebe den Kunden auch meine Natelnummer. Einige kontaktieren mich dann wieder bei Bedarf. So komme ich zu weiteren Einnahmen.»

Mich beeindruckte es, wie positiv und hoffnungsvoll er war. Dies bestätigte mir, wie wichtig Projekte sind, welche Hilfe zur Selbsthilfe zum Ziel haben. Sie wirken vielleicht wie einen Tropfen auf einen heissen Stein, aber für den Einzelnen ist es ein riesiger Unterschied, der Hoffnung bringt.»

Linth24