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Leserbrief
Kanton
29.05.2021

Agrarinitiativen gefährden Landwirte und Versorgung

Am 13. Juni 2021 wird über zwei Initiativen abgestimmt, welche die Schweizer Landwirtschaft stark träfen. (Symbolbild)
Am 13. Juni 2021 wird über zwei Initiativen abgestimmt, welche die Schweizer Landwirtschaft stark träfen. (Symbolbild) Bild: Pixabay: vuesduciel
Kantonsrätin und Bäuerin Hedy Fürer beleuchtet Hintergründe und Auswirkungen der Trinkwasser- und der Pestizid-Initiative. Ein Ja gefährde viele bäuerliche Existenzen und die Nahrungsversorgung.

«Was braucht der Mensch zum Leben?

Jedes Lebewesen, jede Pflanze auf dieser Erde braucht Wasser und Luft.

Der Mensch braucht zum Überleben Wasser, Luft, Essen, ein Dach über dem Kopf, etwas zum Anziehen, eine Arbeit und vielleicht noch etwas Geld, um sich dies alles zu leisten.

Alles andere ist doch eigentlich Luxus.

Am 13. Juni stimmen wir genau über solche lebenserhaltenden Dinge ab.

Wieso kämpft die Landwirtschaft bei dieser Abstimmung um das Verständnis für zweimal Nein?

Existenz vieler Betriebe steht auf dem Spiel

Viele Betriebe würden ihre Existenz verlieren, Betriebe, welche in all den letzten Jahren sich dem Tierschutz angepasst haben, versucht haben, bei sinkenden Preisen für die Produktion Wege zu finden, um ihren Beruf weiterhin ausüben zu können. Sie haben ihre Betriebe angepasst, um eine Existenz zu haben. Sie haben in Obstproduktionen, Ackerbau, in Poulet-Mast, in Schweinezucht und -mast, in Legehennen investiert, um einheimische Lebensmittel zu produzieren.

Sie haben sogenannte Düngerverträge mit Berufskollegen abgeschlossen, welche diese Tierart nicht haben. Somit ist auch der Dünger für die optimale Nahrung für die Wiesen richtig verteilt. Die wenigsten Landwirte haben für diese Tierarten eigenes Futter, denn nicht überall ist Ackerbaugebiet.
Diese Tiere fressen sehr viele Nebenprodukte, welche von der Herstellung für menschliche Nahrung anfällt. Da ist zum Beispiel der Reisschrot, Kakaoschrot, Kleie, Rapsschrot (Nebenprodukt der Rapsöl-Herstellung), Rübenschnitzel (Nebenprodukt der Zuckerherstellung) und vieles mehr.
Wo würden diese Produkte in Zukunft weiterverwendet? Die getätigten Investitionen belasten die Bauernfamilien. Wie soll die Amortisation dieser Gebäude finanziert werden? Wie kann verhindert werden, dass solche Ställe zu Geisterställen verkommen?

Wie wird schlussendlich dieser Nahrungsmittelverlust wieder aufgefangen? Diese Kalorien werden bei unserem Essen in Zukunft aus dem Ausland kommen müssen. Ist das ökologisch? Ist die Produktion im Ausland vertrauenswürdiger? Diese Fragen lassen viele Bäuerinnen und Bauern nicht mehr ruhig schlafen.

Pestizide nicht zum Vergiften, sondern zum Schützen

Die Wissenschaft hat seit dem letzten Jahrhundert viele Wege gefunden, um mit Medikamenten und Pflanzenschutz die Menschen und unsere Kulturen vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen. Corona ist das beste Beispiel, wie schnell heutzutage dank Wissenschaft reagiert werden kann.

Die Landwirtschaft dafür verantwortlich zu machen, dass unser sauberes Trinkwasser nicht mehr geniessbar und krankheitsfördernd sei, ist an der Realität vorbei gedacht. Bei Messungen im Rhein werden jährlich rund 64.8 Tonnen Industrie- und Haushaltchemikalien, 9 Tonnen Arzneimittel, 19,8 Tonnen Süssstoffe und 0.9 Tonnen Pflanzenschutzmittel nachgewiesen.
Pflanzenschutzmittel, die sogenannten Pestizide, werden, wie der Name sagt, zum Schutz unserer Pflanzen und Kulturen eingesetzt, denn nicht nur beim Menschen sind Krankheitserreger zunehmend, sondern auch in unseren Kulturen.
Ziel eines Landwirts ist nicht, den Menschen zu vergiften, sondern ihm die Möglichkeit zu geben, mit Essen sein Leben zu erhalten. Wir schütten nicht 2'000 Tonnen Pestizide ins Wasser, wie in den Medien immer wieder gepredigt wird, sondern wir besprühen zusammen mit Wasser unsere Kulturen, um den Pilz- und Schädlingsbefall in den Griff zu bekommen. Nicht weil wir wollen, sondern weil wir müssen, um die Nahrung für den Menschen herzustellen.
Was Hunger ist und ausmacht, sehen wir in vielen Entwicklungsländern.

Deshalb nehmen Sie es nicht als selbstverständlich, dass die Lebensmittelregale bei den Detailhändlern immer voll sind.

Unterstützen Sie weiterhin die Schweizer Bauern und stimmen Sie zweimal Nein zu den extremen Agrarinitiativen. Jede Stimme zählt.»

Hedy Fürer, Kantonsrätin SVP, Bollingen