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Kanton
08.03.2020
08.03.2020 21:12 Uhr

Wahl20: Die Reaktionen der Lokalparteien

Die SVP - immer noch die grösste regionale Partei - feiert und verdaut die Wahlen im "Sternen" Benken.
Wie gehen die Parteien mit ihren Siegen und Niederlagen um? Unsere Reporter haben nachgefragt.

Gleich vier Parteien haben heute Grund zu feiern oder zu trauern. Freude herrscht nicht ganz unerwartet bei den Grünen und Grünliberalen, die je einen Sitz gewonnen haben. Ernüchterung dagegen bei der FDP und SVP, die je einen Sitz verloren haben; und bei der SP und CVP trifft weder das eine noch andere zu.

Linth24 war auf "Tour de Wahl" und präsentiert Stimmungsbilder und Reaktionen von den regionalen Parteiveranstaltungen.

SVP nimmt Resultat auseinander

Im Sternen in Benken herrscht eine aufgeräumte Stimmung. Es sind alle Gewählten hier: Die SVP hat neu 5 Sitze, 1 Sitz ging verloren: Die fünf bisherigen - Bernhard Zahner, René Bühler, Hedy Fürer-Ulrich, Christoph Chandiramani, Christian Rüegg. 20 SVP-ler sind insgesamt anwesend, es wird emsig diskutiert. Ein Sitz ging zwar verloren, doch das scheint der guten Stimmung keinen Abbruch zu tun.

Die gewählten Kandidaten bei der SVP: (v.l.) Christian Rüegg, Bernhard Zahner, Hedy Fürer-Ulrich, René Bühler und Christopher Chandiramani.

Die Resultate werden momentan «hinderschi und fürschi» auseinandergenommen. Dann wird natürlich auch herzlich gratuliert: Alle bisherigen Kantonsrätinnen wurden wiedergewählt, das findet Kreispräsident See-Gaster Stefan Wäckerli «eine tolle Sache». Und: "Super, alle haben gegeben was sie können. Ich bin zufrieden - sehr zufrieden wäre ich, wenn wir den sechsten Sitz hätten halten können. Wichtig ist, dass wir noch den zweiten Regierungsratssitz holen, dann ist die Welt ganz in Ordnung.»

Auch die Grünen sind happy

Die Grünen treffen sich heute im Speer in Kaltbrunn, um die Wahlresultate entgegenzunehmen. Mit zwei Sitzen, wovon einer zusätzlich gewonnen, ist die Stimmung natürlich sehr gut. Obwohl: es geht eher ruhig zu und her im Speer, die Resultate werden sachlich und nüchtern analysiert. Muss sich die Partei zuerst an die «Gewinnermentalität» gewöhnen?

Urs Bernhardsgrütter, Co-Präsident der Grünen Linth, analysiert für Linth24 das gute Resultat: «Wir hatten vor vier Jahren 8.8 % und jetzt sind wir über 13 %. Das heisst, wir haben gut 50 % zugelegt. Die Grünwelle ist also nicht abgeklungen - auch in unserem Wahlkreis nicht. Wir sind total happy mit dem einen Sitz mehr, den wir zwar insgeheim erhofft, aber in dieser Deutlichkeit nicht erwartet haben.»

Die Grünen feiern im "Speer" in Kaltbrunn

Auch der Co-Präsident der Grünen Linth, Moritz Pachmann, unterstreicht dies mit den gleich deutlichen Worten: «Wir sind nach wie vor eine kleine Partei, aber wir haben alle unsere Ziele erreicht. Somit sind wir rundum zufrieden.» Tanja Zschokke weilt noch in St.Gallen, um das gute Resultat dort «zu verdauen». Wiedergewählt wurde Marco Fäh aus Kaltbrunn, der von nun an zusammen mit der Neugewählten Tanja Zschokke im Zug nach St.Gallen fahren wird.

Marco Fäh: «Damit ist seitens der Grünen die Stadt (Rappeswil-Jona) und das Land (Kaltbrunn) im Kantonsrat vertreten. Das ist für mich eine grosse Ehre und Freude. Damit ist augenscheinlich, dass die Grüne Welle auch auf dem Land eine Bedeutung hat.»

Die GLP ist erleichtert

An der Wahlfeier der GLP war die Erleichterung und Freude, den verlorenen Sitz zurückgewonnen zu haben, spürbar. Andreas Bisig feierte mit seinen Anhängern den Wahl in den Kantonsrat im Door 5 in Rapperswil.

Andreas Bisig (r.) erhält für seine Neu-Wahl zum Kantonsrat von GLP-Linth-Vize Tobias Übelhart einen Blumenstrauss.

Im Gespräch mit Linth24 zeigte sich der neue Kantonsrat erleichtert und sprach von einigen Monaten harter Arbeit. Gleichzeitig sei es sein Ziel, den Sitz zu behalten und möglicherweise weitere Sitze zu holen. Ein zweiter Sitz an den Wahlen 2020 wäre eine Sensation gewesen - vielleicht schafft die GLP dies ja bei den nächsten Wahlen.

Die SP See-Gaster konnte ihre beiden Kantonsratssitze verteidigen.

Freude bei der SP

Die SP See-Gaster trifft sich im Pfarreizentrum in Gommiswald. Dass dies rund 100 Meter Luftlinie vom Ort entfernt ist, wo die CVP das Resultat entgegennimmt, «das hat nichts zu bedeuten und ist auch nicht abgesprochen, also reiner Zufall», schmunzelt Daniela Meyer, Präsidentin der SP Wahlkreispartei See-Gaster. Zwei Sitze hat die SP See-Gaster verteidigt, das analysiert Daniela Meyer folgendermassen: «Ich bin erleichtert und zufrieden, dass wir unsere beiden Sitze halten und die Grünen einen zusätzlichen gewinnen konnten. Es freut mich auch, dass Peter Hüppi neu in den Kantonsrat gewählt wurde.» Sie hätten, so Meyer weiter, von einem dritten Sitz geträumt, wussten aber, dass dies nicht realistisch sei.

Die zwei Vertreter der SP: Eva B. Keller (wiedergewählt) und Peter Hüppi (neu).

Eva B. Keller wurde wiedergewählt, eine erfahrene Kantonsrätin unterdessen mit ihren rund 9 1/2 Jahren in St.Gallen. Peter Hüppi, Gemeindepräsident von Gommiswald, wurde neu in den Kantonsrat gewählt, nachdem er bereits vor vier Jahren schon erster «Ersatz» war: «Ich freue mich über diese Wahl und natürlich jetzt auch auf die Arbeit, die mich in St.Gallen erwartet. Für mich ist es sehr wichtig, in diesem Prozess mitzuwirken - mit all den Themen einer Gemeinde.»

CVP: «Es war nicht einfach»

Aufgeräumte Stimmung bei der CVP. Man trifft sich in der «Aelpli-Bar» in Gommiswald zum Umtrunk und natürlich zum Feiern. Gewählt wurden Yvonne Suter mit dem besten Resultat und Cornel Aerne. Neu dazu kommen Heidi Rommer-Jud von Benken und Franziska Steiner-Kaufmann aus Gommiswald.

Ständerat Beni Würth mit den Gewählten Heidi Rommer-Jud, Franziska Steiner-Kaufmann, Yvonne Suter und Cornel Aerne (v.l.).

Dass das nicht einfach war, davon weiss Sandro Morelli, Präsident CVP Linth zu berichten: «Wir hatten eine schwierige Ausgangslage ohne Erich Zoller und Peter Göldi, die nicht mehr zur Verfügung standen. Das heisst, wir konnten nur mit zwei  bisherigen Kandidaten antreten und mit zwei neuen. Deshalb bin ich überglücklich, die vier Sitze erobert zu haben.» Und was ihn besonders freut: «Die Mitte wurde in diesen Kantonsratswahlen sicher gestärkt, und das ist sehr erfreulich. Denn wir haben grosse Herausforderungen vor uns, wie zum Beispiel die Spitalstrategie und viele andere mehr.»

FDP-Stimmung könnte besser sein

Gedrückte Stimmung bei der FDP Bezirk See und Gaster. Zwar sind Martin Stöckling und Brigitte Pohl mit sehr gutem Resultat wiedergewählt worden, «doch», so findet Stadtpräsident Martin Stöckling klare Worte, «Freud und Leid liegen nahe beieinander. Ich selber freue mich über eine gute Wiederwahl mit dem zweitbesten Resultat aller Kandidierenden in der Stadt Rapperswil-Jona.» Ihn freue aber auch das glanzvolle Resultat von Brigitte Pool.

Martin Stöckling und Brigitte Pool freuen sich über die Wiederwahl.

Doch der Sitzverlust ist ihm sichtlich anzumerken: «Vor vier Jahren haben wir einen Sitz gewonnen, den haben wir leider wieder verloren. Die Grüne Welle ist nicht wie erwartet abgeklungen, sondern gerade in Rapperswil-Jona nach wie vor sehr stark.»

FDP-Wahlkampfmanager Marcel Gasser unterstreicht diese Aussage: «Ich bin sehr enttäuscht. Wir hatten das Gefühl, wir hätten einen guten Wahlkampf gemacht, unsere Leute haben ausnahmslos mitgezogen, wir haben spannende Anlässe durchgeführt - und jetzt kam es anders raus. Ursachenforschung werden wir noch betreiben, dazu ist es jetzt noch zu früh, aber ich vermute, es hatte «Wechselwähler», die der GLP die Stimme gegeben haben.»

Rolf Lutz, Linth24