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Rapperswil-Jona
28.02.2021
28.02.2021 09:13 Uhr

Sporthallen Grünfeld: Politisches Kesseltreiben!

Stadtpräsident Stöckling, TV-Mann Bürer (unten l. und r), Max Rechsteiner (oben): Fight um das nächste Stadt-Debakel. Bild: Linth24
Stadtpräsident Stöckling und Tennisclub-Präsi Stefan Bürer attackieren die Sporthallen-Opponenten. In die Zukunft denken wäre gescheiter. Vielleicht kommt es doch noch gut! Von Bruno Hug

Dass die Projekte der Unihockey-Halle und der Eis-Trainingshalle der Lakers im Joner Grünfeld stillstehen, erregt – verständlicherweise – die Gemüter. Gegen die Einsprecher, die «besorgten Bürger», wird deshalb ein Kesseltreiben veranstaltet. Stefan Bürer, TV-Moderator und Präsident des Tennisclubs Rapperswil, fordert nach einer Standpauke den «lieben besorgten Max Rechsteiner» in einem Leserbrief auf: «Ziehe Deine Beschwerde zurück».
Und Stadtpräsident Martin Stöckling findet es in einem Zeitungsbericht zum Alleingang der Flames in der Hallen-Frage «bedauerlich, dass man zu so einem Punkt kommt nach einem klaren Entscheid der Bevölkerung».

Ein weiteres «Gewürge»

Bürer und Stöckling stellen die Einsprecher öffentlich in die Sport-Verhinderer-Ecke. Dabei verbiegen und missachten sie relevante Fakten. Denn das «Gewürge» um die Hallen basiert (einmal mehr) auf miserabler Regierungsarbeit.
Bürer gibt das sogar zu, wenn er schreibt, die Eis-Trainingshalle im Grünfeld sei «nur die zweitbeste Lösung». Die Frage sei erlaubt: Warum soll die «zweitbeste Lösung» realisiert werden?

Geradezu skurril wird es, wenn Bürer noch schreibt: «Wir alle wissen, wie und warum es zum Projekt der Doppelhalle Grünfeld kam.» Derweil eben genau hier das Problem liegt! Eigentlich weiss nämlich niemand, warum die Trainingshalle nicht neben der grossen Eishalle im Lido gebaut wird, wo es dafür Platz in Hülle und Fülle hätte.  

Bürer schreibt «Quatsch»

Im Weiteren attackiert Bürer die Einsprecher, weil sie kritisieren, es gebe bei den Sporthallen gemäss städtischer Vorschrift zu wenig Parkplätze. Das sei, «mit Verlaub», so Bürer, «Quatsch». An einem Nachwuchsspiel würden sich nur «etwa 50 Nasen auf der Tribüne verlieren». Dazu würden die geplanten 25 Parkplätze genügen.

Auch «mit Verlaub», lieber Stefan Bürer: Deine Ausführungen sind aber nun tatsächlich «Quatsch». Warum denn bauen die Flames und die Lakers Tribünen für total 1’000 Besucher, wenn dort jeweils nur «50 Nasen» an die Spiele kommen?

Umgehung Parkreglement

Laut Passus 4 und 8 des städtischen Parkreglements braucht es «auf eigenem Grund» eines Hallen-Neubaus für 6 Zuschauer 1 Parkfeld. Bei 1'000 Zuschauern, Spieler und Personal ergäbe das mindestens 170 Parkplätze. Klar, es gibt immer Spielraum gegen unten. Aber 25 Parkfelder sind von den gesetzlich geforderten 170 dann doch etwas weit weg, oder?

Brisant ist zu diesem Thema auch Stöcklings Aussage in der Linth-Zeitung. Er führte aus, dass die Parzellen der Lakers- und Flames-Hallen abgetrennt werden müssen. Womit, wie Insider wissen, die Flames-Halle gar keine (eigenen) Parkplätze hätte. Bei 500 Zuschauer!

Scheitern bei der Baubewilligung?

Noch schlimmer wird es, wenn man die Ausführungen des Stadtrates gegenüber den St. Galler Gerichten in der Hallen-Sache liest. Der Rat schrieb dazu mehrfach, die Park-Frage werde erst behandelt, wenn es um die Baubewilligungen für die Sporthallen gehe.

Bedenklich! Damit werden die sich für ihre Sportler, Mitglieder und Jugendlichen einsetzenden Clubs zu Opfern einer verantwortungslosen Politik. Sie sind gezwungen, ihre Projekte mit viel Geld bis zur Bewilligungs-Reife auszuarbeiten, um danach wegen Nichteinhaltung städtischer Vorschriften wieder aufgerieben zu werden.  

Unterdrückte und Falsch-Informationen

Die geplanten Grünfeld-Sporthallen haben das Format eines weiteren Regierungs-Debakels. Die Angaben zum Bürgerschaftsbeschluss vom Dezember 2019 zu den Hallen-Beiträgen waren verwirrend, die Namen der Vertragspartner waren falsch und die Verschiebung des Grünfeld-Landes ins Verwaltungsvermögen ist fragwürdig. Hallen-Reglemente und Verträge zu den Steuergeld-Millionen gab es keine. Vorhanden war lediglich eine den Bürgern verschwiegene, zwei Tage vor der Versammlung hingezauberte Absichtserklärung. Lausiger geht es nicht!

Benedikt Würth machte es vor

Als ich damals, als Lakers-Verantwortlicher, über den Lido-Umbau mit Stadtpräsident Benedikt Würth verhandelte, unterschrieben wir nach halbjährigem Seilziehen die 10. Fassung (!) des Vertrags zwischen den SCRJ-Lakers und Stadt. Erst danach gelangte Würth an den Stadtrat und später an die Bürgerschaft.
Beim jetzigen Hallen-Gemorks unter Stöckling gab es nicht einmal eine erste Vertrags-Fassung!

Zuerst die Willkür, dann die Pflicht

In der Linth-Zeitung sagte Stadtpräsident Stöckling zum Hallen-Problem noch: «Aktuell» mache «der Stadtrat eine Auslegeordnung zum Lido bezüglich Hafen, Wassersportzentrum, Badi, Stadion, Ausseneisfeld sowie zum Hallenbad.» Er wolle «die strategischen Weichen zum Lido» nach einem «Mitwirkungsprozess spätestens bis nächstes Jahr stellen».

Somit wäre es bei der Lakers-Trainingshalle so wie in letzter Zeit in dieser Stadt meistens: Zuerst ein willkürlicher, undurchdachter Entscheid, der dann durchgestiert werden soll, bis er in sich zusammenfällt, um sich danach endlich an die Pflicht zu machen, die Sache grundlegend zu studieren.

Vielleicht kommt es noch gut

Ich meine: Die Sportler müssen von Stöckling fordern, dass er mit seinem «Mitwirkungsprozess» sofort beginnt. Im Herbst/Winter weiss man dann, wie das Lido entwickelt wird. Das wird aber niemals so kommen, wie es Stöckling mit der (unfinanzierbaren) Züglete des Hauptstadions ins Grünfeld hinfantasiert. Es wird vielmehr so sein, dass die Bürger finden, die Eis-Trainingshalle gehöre ins Lido. So schnell wie möglich! Und sie hätten Recht damit.

Flames bekommen verdiente Halle

Zugleich dürfen dann die Flames ihre verdiente Sporthalle bauen. Und dort, wo die Lakers-Halle nicht gebaut wird, erhält die grossartige Sportanlage Grünfeld einen Kopfbau. Mit Sportbüros, Infrastruktur, Massenbetten für Junioren-Lager usw. Das wäre in die Zukunft gedacht. Noch während der Amtszeit von Martin Stöckling.

Bruno Hug