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Leserbrief
Gemeinden
24.01.2021
24.01.2021 17:04 Uhr

«Verbindungsstrasse A15-Gaster ist enkeltauglich»

Beim geplanten A15-Verbindungsstrassenprojekt gehen in der Region die Meinungen auseinander. Bild: ZVG / www.a15-gaster.ch
In einem Leserbrief wurde ein Neustart beim Projekt gefordert, im Hinblick aufs Kaltbrunner Riet und die Zukunftstauglichkeit. Leser Felix Schnyder kommt klar zu einem anderen Schluss und widerspricht.

«‹Enkeltauglichkeit› ausgewiesen

In seinem Leserbrief macht Werner Roggenkemper aus Schmerikon leider falsche Interpretationen und Ausführungen, welche so nicht stehen gelassen werden können.

Kein ‹Einspruch›, sondern ein Gutachten der ENHK

Der Leserbrief hinterlässt einerseits den Eindruck, dass mit der Verbindungsstrasse A15-Gaster das Schutzgebiet ‹vernichtet› würde.

Insbesondere stimmt die Aussage nicht, dass die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) ‹Einspruch› gegen das Projekt erhoben habe. Die ENHK hat vielmehr im Auftrag des Kantons als Bauherr der Strasse ein Gutachten auf der Basis des im Sommer vorliegenden Projektstandes erstellt.

Im Gutachten hat die ENHK vorerst einmal beurteilt, dass das vorliegende Kantonsstrassenprojekt das Schutzgebiet – welches zudem lediglich am Rande tangiert wird – beeinträchtigen würde. Das Projekt sei aus ihrer Sicht nur bewilligungsfähig, wenn das Vorhaben bestmöglich Rücksicht auf das Naturschutzgebiet nähme.

Mögliche Nachbesserungen ein Gewinn

Der Bericht lässt deshalb Nachbesserungen und Erklärungsnachholbedarf offen, welche nun vom Kanton in einem weiteren Schritt zusammen mit dem Amt für Natur geprüft werden. Im Rahmen des Umweltverträglichkeitsberichts würden dann weitere Gutachten und Bestandsaufnahmen erfolgen und erst nach Vorliegen dieser Grundlagen wird die ENHK das Strassenbauvorhaben abschliessend begutachten.

Wie in der Medienmitteilung des Kantons weiter erwähnt, hat die ENHK in ihrem Gutachten die bereits vorgesehenen Aufwertungsmassnahmen ausdrücklich begrüsst, war aber nicht Bestandteil ihrer Bewertung im Gutachten. Dies ist ihr rechtlich anscheinend auch nicht möglich. Gerade die mit dem Projekt möglichen Aufwertungsmassnahmen dürften für das Schutzgebiet aber schlussendlich sogar ein Gewinn sein.

Lösungssuche für Uzner Verkehrsproblem ausgeblendet

Weiter wird immer wieder die Tatsache ausgeblendet, dass seit Jahrzehnten intensiv mögliche Lösungen für das Verkehrsproblem in Uznach gesucht und geprüft wurden.

Auch die vor über 20 Jahren aus der Bevölkerung ins Leben gerufene Arbeitsgruppe Verkehrs- und Entwicklungsplanung sowie nachfolgend die Verkehrsplanungskommission konnten leider keine nachhaltigen und wirksamen Lösungen finden, die Verkehrszahlen in Uznach zu reduzieren und die Strassen so sicherer zu machen.

Was möglich war, wurde durch die Gemeinde umgesetzt. Mehr ist unter dem heutigen Verkehrsregime nicht möglich – vor allem nicht zukunftsgerichtet.

Erhebliche ÖV-Investitionen durch Gemeinde Uznach

Uznach hat in der Vergangenheit aber auch erheblich in den ÖV investiert und wird dies im eigenen Interesse auch weiterhin tun. So wurden im Jahr 2001 noch rund CHF 160'000 für den öffentlichen Verkehr aufgewendet. Für das Jahr 2022 sind rund CHF 660'000 budgetiert, also etwa viermal mehr als vor 20 Jahren!

Nebenbei sei bemerkt, dass die Verbindungssicherheit von Bus zur Bahn aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens und der damit verbundenen Staus oft nicht gewährleistet ist, was für einen Umstieg auf den ÖV auch nicht gerade förderlich ist.

Mobilität liegt in der Natur des Menschen

Die Mobilität liegt in der Natur des Menschen und hat seit der Erfindung des Rades schlussendlich auch zur Notwendigkeit von Strassen geführt.

Jede neu gebaute Wohnung, jedes neu gebaute Gebäude, jedes neu aus dem Boden gestampfte Quartier oder Siedlung der letzten Jahrzehnte ist mit Strassen erschlossen und bringt diesen Verkehr auch auf die Hauptverkehrsachsen. Zu jedem Haus führt in irgendeiner Form eine Strasse. Diese erschliessen den Zugang zu Haus und Hof für Bewohner, Lieferanten und Besucher.

Strassen gehören in unserer mobilen Welt zu den Siedlungen wie Antennen zu kabellosen Kommunikationsmitteln.

Zukunftsfähige Infrastruktur für künftige Generationen

Es ist höchste Zeit, den Tatsachen deshalb objektiv zu begegnen und die Infrastruktur auch zukunftsfähig für die nächsten Generationen anzupassen. Strassenzüge aus den vorherigen Jahrhunderten sind Nadelöhre und schon Jahrzehnten nicht mehr zeitgemäss.

Die Strasseninfrastruktur gilt es anzupassen, wie dies bei anderen Erschliessungsinfrastrukturen geschieht (z.B. bei Siedlungsvergrösserung Anpassung der Wasser- oder Abwasserleitungen etc.).

Zu glauben, dass die Mobilität abnehmen würde, ist blauäugig. Der Strassenverkehr wird wohl nicht mehr von Verbrennungsmotoren beherrscht werden. Aber auch Elektro- und andere antriebsalternative Fahrzeuge benötigen Strassen. Macht es für die Sicherheit und Lebensqualität der Anwohner aber einen Unterschied, ob es z.B. 20'000 Elektrofahrzeuge sein werden?

Gotthard-Tunnel: 6.4 Mio. Fahrzeuge – Uznach: 5.6 Mio.

Im Jahr 2019 durchquerten ungefähr 6.4 Mio. Fahrzeuge den Gotthard-Tunnel. Bei der Uzner Stadtkirche wurden im gleichen Zeitraum rund 5.6 Mio. gezählt (Tendenz weiter steigend). Der Unterschied? Unmittelbar an der Strasse in Uznach leben, arbeiten und wohnen Menschen, welche auch zu Fuss oder mit dem Velo sicher in der Gemeinde unterwegs sein möchten!

Linienführung der Umfahrungsstrasse ‹enkeltauglich›

Ich komme deshalb klar zu einem anderen Schluss als Herr Roggenkemper: Die vorliegende Linienführung der Verbindungsstrasse ist ‹enkeltauglich›, weil zukunftsgerichtet. Und zugleich besteht damit die Möglichkeit das Schutz- und Naherholungsgebiet nachhaltig aufzuwerten und für künftige Generationen zu sichern.»

Felix Schnyder, Uznach