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Leserbrief
Gemeinden
11.01.2021

«A-15 – Anstoss zum Umdenken?»

Linth24-Leser Werner Roggenkemper: «Wenn wir weiterhin noch mehr Natur ohne Rücksicht auf Verluste asphaltieren, sind wir auf dem Holzweg.» Bild: ZVG / www.a15-gaster.ch
Ein Linth24-Leser appelliert an die Region, dass es doch besser sei, in Sachen «Verbindungsstrasse A-15» zurück zum Start zu gehen, anstatt die Natur für den Verkehr zu opfern.

«Erhöhung der Lebensqualität» – mit diesem Argument wird für die Verbindungsstrasse A15-Gaster geworben. Jetzt zeigt sich: Gleichzeitig wird die Lebensqualität aber massiv gesenkt, denn das Kaltbrunner Riet, ein Naherholungsgebiet für Alt und Jung, wird darunter so stark leiden, dass die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission Einspruch erhebt.

Nimmt die Politik das Nein ernst?

Nun kommt der Moment der Wahrheit für die Politik. Nimmt sie das «Nein» ernst und sagt: Wir müssen vielleicht ganz neue Lösungen suchen? Oder bleibt sie bei einer Lösung, die noch nie wirklich funktioniert hat?

Denn wir wissen, dass 50 % des Verkehrs Quell- und Zielverkehr ist. Es würden also vermutlich weiterhin mehr als 9'000 Fahrzeuge durchs Uznacher Städtli fahren. Und wir wissen, dass neue Strassen in der Regel mehr Verkehr generieren, so dass nach 5 Jahren die ursprüngliche Verbesserung wieder aufgehoben sein würde.

Politik funktioniert oft nach diesem Muster: Möglichst lange Negatives unter Verschluss halten, dann, wenn möglich, Kritiker aushebeln oder ein bisschen das ursprüngliche Projekt verbessern, um die Kritiker weichzuklopfen.

Wir brauchen eine neue Zukunftsvision

Der Historiker und Philosoph Philipp Blom hat in der Sternstunde Philosophie gesagt: «Ausbeutung, Wachstum und Selbstüberschätzung haben ausgedient. … Wir brauchen eine neue Zukunftsvision.» Er hat das mit Blick auf Corona und die Klimakrise gesagt.

Ich glaube, das lässt sich gut auf die Diskussion um die A 15 – Gaster übertragen. Wenn wir weiterhin noch mehr Natur ohne Rücksicht auf Verluste asphaltieren, sind wir auf dem Holzweg. Oder anders gesagt: Wir handeln nicht «enkeltauglich». Sollen unsere Kinder und Enkel auch noch im Kaltbrunner Riet Natur sehen, hören, riechen können? Oder opfern wir dieses Stück Natur dem Verkehr?

Keine Folgeschäden für Kinder und Enkel

Ich bin Optimist. Ich glaube daran, dass wir lernfähig sind. Ich hoffe, dass die Politik für einmal zeigt, dass sie das auch ist und deshalb sagt: «Zurück zum Start.»

Notabene: Das Projekt kosten zwischen 300 und 350 Millionen. Der Kanton muss und will in den nächsten Jahren 150 bis 200 Millionen sparen, vermutlich auch wieder in der Bildung. Wenn wir schon sparen müssen, ist es umso wichtiger, dass wir nachhaltig investieren, ohne Folgeschäden für unsere Kinder und Enkel.

Die Investition in die A 15 – Gaster ist nicht enkeltauglich. Fangen wir gemeinsam wieder bei Null an.»

Werner Roggenkemper, Schmerikon