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Kultur
20.12.2020

Rapperswiler Frédéric Zwickers neuer Roman

Mit seinem neuen Roman «Radost» will Frédéric Zwicker unter anderem die lebensfrohe, gastfreundliche Liebenswürdigkeit der Menschen des Balkans der Leserschaft vermitteln.
Mit seinem neuen Roman «Radost» will Frédéric Zwicker unter anderem die lebensfrohe, gastfreundliche Liebenswürdigkeit der Menschen des Balkans der Leserschaft vermitteln. Bild: Linth24
In seinem neuen Buch «Radost» reist Frédéric Zwicker mit dem Hauptdarstellere Max nach Sansibar und Kroatien. Dabei geht es um psychische Zerbrechlichkeit und den Wahnsinn des Lebens.

«Wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf.» So geschrieben im neuen Roman des Rapperswiler Autors Frédéric Zwicker. Er muss es wissen. Als Schriftsteller, Kolumnist und Bandleader sucht er immer wieder neue Themen, die Menschen interessieren. «Mad Max», der Hauptdarsteller von «Radost», eben bei Zytglogge erschienen, sorgt für viele Überraschungen und für spannende Lektüre. 

In einem Interview erzählt Frédéric Zwicker, wie das Buch entstanden ist, seine Art zu schreiben und Klischees des Ostens.

Interview mit Frédéric Zwicker

«Radost» heisst «Freude» auf Kroatisch.

«Radost» ist ein doppeldeutiger Titel. Er steht einerseits für Freude, andererseits aber auch für die Radreise in Richtung Osten. Das zeigt auch das Cover von Massimo Milano.

Wie kamst du auf die Idee, die Geschichte eines abenteuerlichen Lebens mit einer Velofahrt nach Kroatien zu verbinden?

Ich bin selber mit dem Velo von Rapperswil nach Zagreb geradelt, wie das die zwei Protagonisten meines Romans auch tun, und begab mich damit auf die Spuren von Ich-Erzähler Fabian und von Max. Wegen seiner Krankheit hat Max vieles vergessen und möchte nun die zahlreichen blinden Flecken in seiner Vergangenheit ausfüllen. So erteilt er Fabian den Auftrag, seine Biografie zu schreiben.

Zu Beginn des Romans, an der Küste von Sansibar, rettet Fabian Max das Leben. Es beginnt also mit einem Beinahe-Mord in Afrika?

Genau. Die beiden lernen sich in Sansibar kennen, kommen aber erst drei Jahre später wieder zusammen. Und dann beginnt diese verrückte Geschichte erst richtig.

Dein Roman ist vielschichtig. Die verschiedenen Erzählebenen werden miteinander verwoben und beflügeln einander. Ist das deine Art zu schreiben, oder liegt das nun speziell an diesem Roman?

Meine Art zu schreiben sind sicher die kurzen Kapitel, gleichsam Miniaturen in einer grossen Geschichte. Die einzelnen kleinen Geschichten ergeben als Mosaiksteine ein grosses Ganzes. Vielleicht ist es auch eine gewisse déformation professionnelle. Ich schreibe seit zwölf Jahren Kolumnen, also Kurztexte, die meist mit einer Pointe enden. Wahrscheinlich begünstigt das meine Art des Erzählens.

Magst du Tabuthemen?

Ich möchte über Themen schreiben, die mir relevant erscheinen und von denen ich etwas verstehe. Im ersten Buch war das nach mehreren Zivildiensteinsätzen der Pflegeheim-Mikrokosmos. Und bei Radost gab es die Begegnung mit einem Mann, der mir von seiner psychischen Krankheit erzählte und Vorbild wurde für Max.

Um dessen Biografie schreiben zu können, unternimmt Fabian die Reise bis nach Zagreb und trifft dort frühere Freunde, die Max sehr gut kannten. Von ihnen wird er sehr herzlich aufgenommen. Ist das ein Klischee?

Keinesfalls! Wenn man sich Zeit nimmt, die Menschen kennenzulernen, begegnen sie einem mit grosser Herzlichkeit. Der Balkan, aber auch Ostafrika waren für mich Orte, die mich geprägt haben. Seit einem Orchesteraustausch vor 17 Jahren fahre ich regelmässig nach Kroatien und auch in andere Balkanstaaten, wodurch ich ein anderes Bild von Ex-Jugoslawien erhalten habe. Obwohl es heute vielerorts sehr touristisch geworden ist, dominiert hierzulande noch das Bild des korrupten, gefährlichen Balkans. Mir war es ein Anliegen, auch die lebensfrohe, gastfreundliche Liebenswürdigkeit der Menschen zu zeigen, die ich dort erlebe.

Glaubst du, dass dies gelungen ist?

Ich habe schon einige Reaktionen von Leserinnen und Lesern erhalten, die mir sagten, sie hätten nun Lust auf eine Balkan-Reise. Wenn mein Buch so etwas Konkretes bei den Lesern auslöst, freut mich das unheimlich.

Gibt es bald Lesungen aus dem Buch?

Das wäre sehr schön. Aber Corona setzt da ein grosses Fragezeichen. Hoffentlich kann man bald wieder unbeschwert auf die Bühne. Es wird noch ein, zwei Online-Lesungen geben. Doch online fehlt der Kontakt mit dem Publikum, und inzwischen ist man auch irgendwie gesättigt von virtuellen Veranstaltungen.

Das heisst, definitiv das Buch kaufen und selbst lesen?

Ja. Das ist natürlich das Beste... (lacht).

«Radost»

Autor: Frédéric Zwicker

Buch bestellen unter: www.zytglogge.ch

Linth24