Home Region Sport In-/Ausland Magazin Agenda
Region
04.11.2020
23.11.2020 12:19 Uhr

«Elterntaxis»: Blechlawinen vor Schulhäusern

«Elterntaxis verhindern wichtige Erfahrungen», finden Kantonsrätin Franziska Steiner-Kaufmann (r. oben) und ihr Ratskollege Dominik Gemperli (r. unten).
«Elterntaxis verhindern wichtige Erfahrungen», finden Kantonsrätin Franziska Steiner-Kaufmann (r. oben) und ihr Ratskollege Dominik Gemperli (r. unten). Bild: VGplus / Linth24 / goldacher.ch
Dass manche Eltern ihre Kinder auf dem täglichen Schulweg mit dem Auto transportieren, findet eine Gommiswaldner Kantonsrätin problematisch. Sie und ein Ratskollege wenden sich nun an die Regierung.

Die Gommiswaldner CVP-Kantonsrätin Franziska Steiner-Kaufmann ist (u.a.) Schulleiterin in Uznach. Gemeinsam mit ihrem Ratskollegen Dominik Gemperli (CVP, Goldach) hat sie Anfang November eine einfache Anfrage bezüglich «Elterntaxis» eingereicht:

«Die ersten nassen Herbsttage rückten auch dieses Jahr eine sich seit längerem verbreitende Zeiterscheinung wieder vermehrt ins Scheinwerferlicht.

Wenn sich vor den Schulhäusern Autos aneinanderreihen und dabei kleinere und grössere Persönlichkeiten winkend vom Rücksitz klettern, ist das in der Regel keine Veranstaltung von öffentlichem Interesse, sondern an vielen Schulen der ganz normale Schulalltagsstart.

Schulweg zu Fuss oder mit Velo besser für Entwicklung

Kinder, die den Schulweg zu Fuss oder mit dem Fahrrad bestreiten, werden motorisch flexibler, sozial gefördert und sind gesünder. Sie beobachten ihre Umgebung aufmerksam. Sie durchleben und lösen Konflikte, helfen einander, entwickeln Ideen oder verarbeiten Erlebtes. Sie erfahren das Wetter mit all seinen Facetten– von schweissgebadet, über klitschnass, bis zu zähneklappernd oder einfach erfrischt und sonnengetankt.

Solche Kinder werden selbständiger, reflektierter und lösungsorientierter.

Trügerisches Sicherheitsargument der Eltern

Dennoch fahren Eltern vermehrt ihre Kinder in die Schule oder in den Kindergarten. Die Beweggründe für solche Fahrdienste lassen sich in scheinbaren Zeitersparnissen, gutgemeinten Freundschaftsdiensten oder in vermeintlichen Sicherheitsgedanken erahnen.

Doch insbesondere bei Letzterem liegt ein Trugschluss vor. Durch die Dienstfahrt bis vor das Schulhaus werden den Kindern direkte und wichtige Verkehrserfahrungen genommen, welche auch für das spätere Zurechtfinden im Strassenverkehr grundlegend sind.

Weiter führen (rückwärtsfahrende) Autos bei Schulhäusern zusätzlich zu gefährlichen Situationen.

Ausserdem trägt der Schulweg als Erlebnis wesentlich zur Persönlichkeitsbildung der jungen Menschen bei und verdient daher auch im Sinne einer ganzheitlichen Bildungsphilosophie eine entsprechende Beachtung.

‹Kiss & Ride›-Zone: Zeichen der Kapitulation?

Viele Gemeinden, Schulen, Polizeidienststellen und Verbände bemühen sich um die Förderung des selbständigen Schulweges – mit unterschiedlichem Erfolg. Informationen an Eltern und Kampagnen haben nicht die gewünschte Wirkung.

Eine Antwort auf das Problem können auch sogenannte ‹Kiss & Ride› Zonen sein, in welchen das Abladen von Kinder verkehrs- bzw. schulraumplanerisch bewusst vorgesehen wird. Dies muss dann wohl aber auch eher als Kapitulation statt als Lösung verstanden werden.

Während es an Schulen durchaus verbindliche Regelungen betreffend Benutzung von Fahrzeugen gibt (z.B. ab welcher Klasse Fahrräder benutzt werden dürfen), findet man betreffend ‹Elterntaxis› lediglich Empfehlungen vor.

Offene Fragen an die Kantonsregierung

Wir bitten die Regierung um die Beantwortung folgender Fragen:

  1. Wie beurteilt die Regierung die Problematik rund um ‹Elterntaxis›?
  2. Wie unterstützt der Kanton St. Gallen gesundheitsfördernde Kampagnen, welche sich auf den Schulweg beziehen?
  3. Welche Möglichkeiten haben Kanton oder Gemeinden, ‹Elterntaxis› zu unterbinden?
  4. Ist der Regierungsrat gewillt, gesetzliche Grundlagen zu schaffen, welche das regelmässige Transportieren von Kindern für den täglichen Schulweg untersagen oder den Gemeinden entsprechende Kompetenzen geben?»

Das Geschäft ist im Ratsinformationssystem hier aufgeführt. Eine Antwort der St.Galler Kantonsregierung steht noch aus.

Franziska Steiner-Kaufmann, CVP-Kantonsrätin Gommiswald / Dominik Gemperli, CVP-Kantonsrat Goldach