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Gesundheit
21.03.2022

Dunkelziffer bei Corona-Fällen fünfmal höher

Der oberste Kantonsarzt Rudolf Hauri empfiehlt, die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr erst im Frühling aufzuheben, wenn es wieder wärmer wird. (Archivbild)
Der oberste Kantonsarzt Rudolf Hauri empfiehlt, die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr erst im Frühling aufzuheben, wenn es wieder wärmer wird. (Archivbild) Bild: KEYSTONE/ANTHONY ANEX
Die Zahl der Corona-Neuinfektionen dürfte massiv höher liegen als offiziell ausgewiesen. Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung Schweizer Kantonsärzte, schätzt die Zahl Neuangesteckter auf täglich 150'000.

Offiziell weist das Bundesamt für Gesundheit pro Tag zwischen 25'000 und 35'000 Fälle aus. Die Dunkelziffer sei derzeit rund fünfmal höher als die offiziell ausgewiesenen Zahlen vermuten lassen, sagte Hauri in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag».

Virusaktivität derzeit sehr hoch – Immunisierung noch sehr gut

Die Virusaktivität sei derzeit sehr hoch. Die Fallzahlen und die Zahl der Spitaleintritte dürften rasch wieder steigen. Die laufende Welle werde statistisch wohl die Januarwelle übertreffen. Zusätzlich dürfte die Aufhebung der Maskenpflicht den Trend beschleunigen.

«Bund und Kantone werden sich kommende Woche noch einmal im Detail mit den steigenden Zahlen beschäftigen», sagte Hauri weiter. Seiner Ansicht nach sollte der Bund mit eine Aufhebung der Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr bis zum Frühling zuwarten.

Der Schutz der Immunisierung durch Impfung oder Genesung sei immer noch sehr gut. Doch auch dreifach geimpfte Personen könnten sich bei derart hoher Virusaktivität anstecken und im Spital landen. Die Spitäler kämen jedoch nicht mehr so schnell an den Anschlag.

Auf die Frage, ob die Bevölkerung das Virus noch immer ernst nehme, sagte der Zuger Kantonsarzt, das Virus sei nicht verschwunden. Es werde weiter saisonal auftreten. Wahrscheinlich sei, dass sich das Virus im kommenden Herbst nochmals stark aufbäumen werde.

Saisonal guter Zeitpunkt für öV-Maskenpflicht

Die vom Bundesrat geplante Aufhebung der Maskenpflicht Anfang April im öffentlichen Verkehr sei saisonal ein guter Zeitpunkt, glaubt Lukas Engelberger, der Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK).

Falls sich die Lage verschlechtere und die Belastung der Spitäler in den kommenden Tagen stark zunehme, müsse der Bund jedoch eine Verlängerung der geltenden Massnahme prüfen. Von Spitälern und Heimen erwarte er, dass die Maskenpflicht bestehen bleibt, da sich dort viele besonders vulnerable Personen aufhielten und auch das Personal geschützt werden müsse.

Das Risiko, an Covid-19 schwer zu erkranken oder zu sterben sei dank der hohen Immunität inzwischen reduziert, «aber wir dürfen das Virus weiterhin nicht auf die leichte Schulter nehmen.» Zunehmend seien ältere Personen wieder von Hospitalisationen betroffen.

Für Engelberger ist eine weitere Auffrischimpfung angezeigt, sobald der Impfschutz gegen eine schwere Erkrankung nachlässt. Dies müssten aber die Zulassungsbehörde und die Impfkommission prüfen.

Keystone-SDA / Linth24