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Gesundheit
14.12.2021

Jugendliche leiden unter Corona-Massnahmen

Nicht alle Jugendlichen haben genug soziale Kontakte und leiden daher psychisch. Die Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben diese Entwicklung laut einer Umfrage verstärkt. (Archivbild)
Nicht alle Jugendlichen haben genug soziale Kontakte und leiden daher psychisch. Die Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben diese Entwicklung laut einer Umfrage verstärkt. (Archivbild) Bild: KEYSTONE/Ti-Press/SAMUEL GOLAY
Die Verantwortlichen für Kinder- und Jugendpolitik in den Kantonen fordern, dass der öffentliche Sektor mehr tut gegen die Auswirkungen der Corona-Pandemie, und verweisen auf Umfrage-Ergebnisse.

Die Lage der Kinder und Jugendlichen und deren Familien hat sich im Vergleich zur Situation vor der Corona-Pandemie eher verschlechtert. Das ist die Einschätzung der Fachpersonen, die in einer Umfrage der Taskforce Kinder und Jugend im Juni 2021 befragt wurden. Dies gaben Vertreter der Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren (SODK) am Montag vor den Medien bekannt.

An der Umfrage teilgenommen hatten die Verantwortlichen in den Kantonen sowie über 130 Leistungserbringer der Kinder- und Jugendhilfe aus 20 Kantonen (16 Deutschschweizer, 3 Westschweizer Kantone und das Tessin). Zudem haben sich zehn nationale Organisationen an der Umfrage beteiligt.

Subjektive Wahrnehmung untersucht

Die Umfrage, die weder eine wissenschaftliche Methodik verfolgt habe noch repräsentativ sei, habe bewusst die subjektive Wahrnehmung der Befragten untersucht. Sie habe hauptsächlich darauf abgezielt, sich ein allgemeines Bild der Lage zu verschaffen und zu erfahren, mit welchen Problemen die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe seit der Covid-Pandemie mehrheitlich konfrontiert seien.

Am meisten Handlungsbedarf besteht laut der Umfrage in den Bereichen psychische Leiden und Störungen. Da im Bereich der psychischen Gesundheit schon seit langem ein Angebotsmangel herrsche, der durch die Pandemie noch verstärkt worden sei, würden in solchen Situationen derzeit die anderen Leistungserbringer einspringen wie Sozialarbeitende, Beiständinnen und Beistände.

Deren Angebote seien gefordert gewesen, und etliche von ihnen hätten angegeben, dass ihr Angebot ausgebaut werden müsste, um der Nachfrage genügen zu können, hiess es weiter. Die aktuelle Gesundheitskrise habe zudem erneut gezeigt, dass der Kinder- und Jugendschutz zwingend als eine gemeinschaftliche Aufgabe verschiedener Beteiligter wahrgenommen werden müsse.

Einschneidend für Entwicklung

Die Umfrage hat laut Sozialdirektorenkonferenz ausserdem gezeigt, dass sich die Corona-Pandemie und vor allem die strengen Massnahmen zu deren Eindämmung besonders negativ auf jene Angebote auswirkten, die für die gute Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zentral seien. Denn sie erfüllten deren besondere Bedürfnisse.

Genannt worden seien dabei Kontakte mit Gleichaltrigen, Freizeit-, Sport-, Kulturangebote sowie die offene Kinder- und Jugendarbeit, ausserdem die Sicherstellung von Freiräumen zur eigenen Entwicklung.

Die Organisationen für Kinder- und Jugendhilfe wurden laut SODK auch über das Fallvolumen befragt. Fast die Hälfte der kantonalen Vertreterinnen und Vertreter der Leistungserbringer gab demnach an, dass es im Vergleich mit der Situation vor der Corona-Pandemie mehr Notfälle, mehr neue Fälle oder mehr Neueintritte zu bearbeiten gegeben habe.

Etwas mehr als ein Drittel der Vertreterinnen und Vertreter der Leistungserbringer gab an, dass es für sie schwieriger sei, ihre Zielgruppen zu erreichen als vor der Pandemie. 16- bis 25-Jährige und Familien in prekären Situationen sind ihrer Meinung nach die beiden am schwierigsten zu erreichenden Zielgruppen.

sda / Linth24