Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Kanton
28.10.2021

Pseudo-Italiener zocken Passanten am Bahnhof ab

Besonders am St. Galler Bahnhof schlagen die Bettler zu.
Besonders am St. Galler Bahnhof schlagen die Bettler zu. Bild: zVg
Ein Leser berichtet von «Italienern», die am Bahnhof St.Gallen mit einer dreisten Masche an Geld kommen wollen. Der Kapo ist das Problem bekannt.

«Do you speak Italian or English?», fragt ein Mann am Bahnhof St.Gallen. Er trägt eine schwarze Weste, eine Sonnebrille und die Haare sind nach hinten gegelt. Er streckt seine Hand für einen Faustgruss aus: «Nice to meet you, man!». Er ist in Begleitung eines weiteren Mannes, auch dieser sieht gepflegt aus. 

Die beiden bräuchten Geld, um zurück nach Italien zu fahren. Eigentlich seien sie in die Schweiz gekommen, um zu arbeiten, doch man habe ihnen keine Arbeitsbewilligung erteilt. Nun stecken sie hier schon seit fünf Tagen fest und benötigen unbedingt Geld für ein Flixbus-Ticket zurück in die Heimat. Der Leser empfindet Mitleid für die Männer und gibt ihnen 30 Franken. Alles, was er gerade im Portemonnaie hat.

Zu wenig, finden die beiden Männern und verlangen mehr. Sie schlagen dem St.Galler vor, dass sie ihn zum Bankomat begleiten können, damit er weiteres Geld abheben kann. Als er auf seinem Handy nachschauen möchte, wie teuer ein Billett nach Italien ist, dämmert es ihm langsam und er glaubt, dass es sich bei den angeblichen Italienern um Betrüger handeln könnte. Also wimmelt er die Herren ab und eilt zum Zug. Dort bemerkt er, dass sein Schlüsselbund aus der Hosentasche hängt. Wollte man ihm das Portemonnaie klauen?

Erneut ein «Italiener»

Knapp einen Monat später wurde der Leser erneut am Bahnhof St.Gallen von einer Person angesprochen, die angab aus Italien zu kommen und Hilfe benötige. Als auch dieser Fremde ihm seine Faust anbietet und «Nice to meet you» sagt, macht sich der Leser schnell aus dem Staub. 

Problem der Polizei bekannt

Der Kantonspolizei St.Gallen sind solche Bettler bekannt. Auf Anfrage von stgallen24 verweist Polizeisprecher Hanspeter Krüsi auf die Selbstverantwortung der Bürger: «Wenn man finanziell gut da steht und einer bettelnden Person Geld schenken will, dann kann das jeder für sich entscheiden.» Eine Häufung solcher Meldungen gäbe es derzeit aber nicht. Weiter sagt Krüsi, dass die Polizei in solchen Fällen nicht viel tun könne, obwohl in St.Gallen Bettelverbot herrscht. «Selbst wenn wir diese Personen verweisen würden, betteln sie am nächsten Ort weiter. Das Problem ist nicht aufzuhalten.»

Wer genau hinter den organisierten Bettlern steckt, kann die Kantonspolizei St.Gallen nicht beantworten. Es handle sich jedoch um eine komplett andere Täterschaft als bei den «falschen Polizisten», die in den vergangen Wochen mehreren Hunderttausend Franken erschlichen haben.

stgallen24/ Linth24