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04.08.2021

Kibag will Kohlenstoffdioxid für ewig im Beton binden

Die Anlage des Start-ups «neustark» reichert Kies mit CO2 an. Das Kohlenstoffdioxid wird in einem chemischen Prozess zu Kalkstein umgewandelt und somit im Baustoff versiegelt.
Die Anlage des Start-ups «neustark» reichert Kies mit CO2 an. Das Kohlenstoffdioxid wird in einem chemischen Prozess zu Kalkstein umgewandelt und somit im Baustoff versiegelt. Bild: Roger Tschümperlin
In einem neuartigen Verfahren wird bei der Kibag Recyclingstelle in Wädenswil CO2 im Baustoff gebunden. Dies ermöglicht problematisches Kohlenstoffdioxid aus dem Kreislauf zu eliminieren.

Bei der Produktion von Zement wird eine grosse Menge an Kohlenstoffdioxid (CO2) erzeugt. Das neuartige Verfahren des ETH-Spin-Offs «neustark» in Zusammenarbeit mit der Kibag kehrt diesen Prozess um. Im sogenannten «Carbon Capture and Storage»-Verfahren wird der natürliche Prozess der Karbonatisierung im Beton beschleunigt. Bis zu 10 Kilogramm CO2 pro Kubikmeter wird im Recyclingbeton in kristalliner Form permanent gebunden. «In diesem Zustand bleibt das Kohlenstoffdioxid für mehrere Millionen Jahre im Beton eingeschlossen », erklärt Johannes Tiefenthaler, Mitgründer von «neustark».

Im Kalkstein gebunden bleibt das CO2 für Millionen von Jahren versiegelt. Bild: Roger Tschümperlin

Bei der Kibag-Recyclingstelle in Wädenswil steht aktuell ein Prototyp der Anlage. Diese besteht aus drei Hauptkomponenten, einem CO2Tank, zwei Reaktionscontainern und einem Steuerungscontainer. In den Reaktionscontainern wird das aufbereitete Betongranulat eingefüllt und danach luftdicht verschlossen. Nach Beginn des Vorgangs wird das im Tank flüssige CO2 durch einen Verdampfer im gasförmigen Zustand in den Reaktionscontainer geführt. Am Schluss erhält man einen Baustoff, der jetzt mit Kohlenstoffdioxid angereichert ist.

Johannes Tiefenthaler vom Start-up «neustark» Bild: Roger Tschümperlin
Adrian Müller von der Kibag erklärt den Kreislauf vom Bauschutt zum Recyclingkies. Bild: Roger Tschümperlin

Vielseitig einsetzbarer Recyclingbeton und -kies

Der Baustoff, der unter dem Namen KIBECO vermarktet wird, kann in diversen Bereichen wie herkömmlicher Beton eingesetzt werden. So zum Beispiel für Innen- oder Aussenwände von Gebäuden, für Decken und Bodenplatten oder auch als Kiesgemisch für Plätze oder Wege.

Die Aufbereitung des Granulats hat jedoch auch seinen Preis. Der KIBECO-Baustoff ist circa zehn Prozent teurer als herkömmlicher Beton. Somit ist er besonders für Bauherren attraktiv, die ihr Bauvorhaben ökologisch und besonders nachhaltig errichten wollen.

10 Prozent teurer ist der neue KIBECO-Baustoff im Vergleich zu herkömmlichem Material. Bild: Roger Tschümperlin

Kohlenstoffdioxid aus Luft und Biogas

Da stellt sich die Frage, woher denn das CO2 stammt, das für diesen Prozess benötigt wird. Das Gas lässt sich direkt aus der Atmosphäre filtern oder im Fall von «neustark» wird es bei der Vergärung von biologischem Material gewonnen. All diese Abläufe benötigen auch Energie, aber «um mit der Anlage eine Tonne CO2 zu verarbeiten, wird der Ausstoss von Kohlendioxid auf lediglich 50 Kilogramm berechnet», meint Tiefenthaler. Somit hinterlässt die Anlage selbst keinen grossen Fussabdruck.

Roger Tschümperlin, Linth24/March24