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Leserbrief
Kanton
24.05.2021

Agrar-Initiativen: «Einstein und der Brotpreis»

Für ein Kilo Brot arbeitete man früher eine halbe Stunde, heute ein paar Minuten, so Leser Armando Pirovino. (Symbolbild)
Für ein Kilo Brot arbeitete man früher eine halbe Stunde, heute ein paar Minuten, so Leser Armando Pirovino. (Symbolbild) Bild: Pixabay
Leser Armando Pirovino fordert mehr Wertschätzung und fairere Preise für Lebensmittel wie in früheren Zeiten. Er fragt: Ist der Preis für mehr Nachhaltigkeit wirklich «untragbar»?

«Könnten Sie auf Anhieb sagen, wie hoch Ihr Budgetanteil für Lebensmittel ist? Im CH-Durchschnitt sind es laut Bundesamt für Statistik rund sieben Prozent. In meiner Kindheit war es ein gutes Drittel des häuslichen Einkommens. Für ein Kilo Brot arbeitete mein Vater damals eine halbe Stunde. Heute reichen ein paar Minuten dafür.
Trotzdem hungerte niemand in unserem Land nach dem Krieg. Und ich sah keine Plakate gegen ‹unbezahlbare Lebensmittel›, als ich zur Schule ging, auch keine ‹Informationen› à la: ‹Autofahren nur noch für Reiche?› Der heutige Benzinpreis müsste x-fach höher sein, wenn er sich wie die durchschnittlichen Haushalteinkommen entwickelt hätte: Wem ist diese Relativität bewusst? – Einstein lässt ein weiteres Mal grüssen.

Mehr Wertschätzung für Lebensmittel – auch preislich

Hingegen weiss ich noch gut, wie wir Buben im nahen Fluss Fische fangen konnten und auch das Bachwasser bedenkenlos tranken. Was werden unsere Enkel in 20, 30 Jahren sagen, wenn sie an den 13. Juni 2021 zurückdenken?
Und: Wann werden die Grossverteiler, die ‹Food-Milliarden-Konzerne›, unseren Bauern endlich faire Preise für ihre Riesenarbeit bezahlen? Es schreit zum Himmel, dass ihnen heute für einen Liter Milch nur noch rund 50 Rappen bezahlt werden. Vor 60 (!) Jahren waren dies 43 Rappen, vor 30 Jahren deutlich über einem Franken: Lebensmittel sind Mittel zum Leben und brauchen wieder die Wertschätzung – und den Preis – früherer Zeiten.

Welche Heimat hinterlassen wir unseren Nachkommen?

Ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung stimmt in wenigen Tagen über eine Zukunft ab, die sie selber nicht mehr erleben werden. Wir älteren Semester müssen uns also die Frage gefallen lassen, welche Heimat wir unseren Nachkommen hinterlassen wollen. Und, ob der Preis für mehr Nachhaltigkeit wirklich ‹untragbar› ist?
Andersrum gefragt: Welche Rechnung wird unseren Grosskindern erst serviert, wenn wir weiter so tun, als gäbe es ein unbeschränktes Wachstum und Erdöl bis 2121, das in Jahrmillionen angereichert wurde?»

Armando Pirovino, Wangen SZ