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Rapperswil-Jona
06.05.2021
05.05.2021 22:28 Uhr

Zürichsee-Schiffe: «Das ist Diebstahl am Steuerzahler»

Der Rapperswiler Schifffahrtssanierer Benno Gmür im Linth24-Interview:  «In der Führung der Zürichsee-Schifffahrt fehlt das Wissen, wie ein solcher Betrieb geführt und saniert wird.»
Der Rapperswiler Schifffahrtssanierer Benno Gmür im Linth24-Interview: «In der Führung der Zürichsee-Schifffahrt fehlt das Wissen, wie ein solcher Betrieb geführt und saniert wird.» Bild: Schiffs-Agentur
Benno Gmür hat schon 3 Schifffahrts-Betriebe saniert. In Rapperswil-Jona hat er wegen der ZSG bei den Stadträten Stöckling und Kälin vorgesprochen. Genützt hats nichts. Im Interview redet Gmür Klartext.

Linth24: Benno Gmür, Sie kennen die Schifffahrt aus dem ff. Sie sind Steuerzahler in Rapperswil-Jona und sanieren und reorganisieren seit 20 Jahren Betriebe. In den letzten 10 Jahren haben Sie sich auf die Sanierung und Führung von Schifffahrtsunternehmen spezialisiert. Sie sanierten die Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft, die Untersee-Rhein-Schifffahrt und die Hohentwiel Schiffsfahrt in Hart, Österreich. Sie wissen, warum Schiffsgesellschaften Geld verlieren oder rentieren. Was sagen Sie zum geplanten Beitrag der Stadt an die Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft in Höhe von 600'000 Franken pro Jahr?

Benno Gmür: Das ist Diebstahl am Steuerzahler von Rapperswil-Jona.

Warum?

Anstatt diese chaotische Firma neu zu organisieren, die Führung auszuwechseln und neue Strukturen zu schaffen, macht man im selben Trott weiter und holt sich das Geld von der Bürgerschaft.

Die Bodensee-Schifffahrt verdient vor Abschreibungen jährlich rund 2.5 Millionen Franken. Als sie noch der SBB gehörte, verlor sie jährlich 1.5 Millionen. Wie haben Sie diese Wende geschafft?

Zuerst schufen wir neue betriebliche Strukturen. Dann passten wir alle Arbeitsverträge der heutigen Zeit an. Gastromitarbeiter wurden zu Hilfsmatrosen und umgekehrt. Nautiker und Gastro können sich bei einem guten Klima ergänzen. Das senkt die Kosten extrem und ist der Dreh- und Angelpunkt bei einer Schifffahrts-Sanierung. Und natürlich müssen die Angebote attraktiv gemacht werden und wie überall braucht es eine professionelle Unternehmensleitung.

Hatten Sie mit der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft schon einmal Kontakt?

Vor zweieinhalb Jahren habe ich dem ZSG-Präsidenten Peter Weber eine Mail geschickt, in welcher ich ihm meine Dienste angeboten habe. Ich schrieb ihm, dass es bei der ZSG kaum so weitergehen könne. Ich bekam nie eine Antwort.

Kennen Sie den Geschäftsleiter der ZSG?

Ja, vor rund zwei Jahren sprach ich mit Roman Knecht, der die ZSG operativ führt, weil ich mich als Steuerzahler von Rapperswil-Jona aufgeregt hatte, dass die Beitragskosten der Stadt von 110’000 Franken auf 267'000 hochschnellten. Ich führte ihm aus, wie er Kosten senken könnte. Geschehen ist nichts.

«Danach hörte ich weder von Stöckling noch von Kälin etwas»
Benno Gmür

Haben Sie als Schifffahrts-Sanierer wegen der hohen ZSG-Beiträge auch schon mit der Stadtführung von Rapperswil-Jona gesprochen?

Ja, einige Monate nach dem Gespräch mit der ZSG hatte ich mit Stadtpräsident Martin Stöckling, mit Stadtrat Kurt Kälin und mit Tourismuspräsident Simon Elsener ein Gespräch vereinbart. Stöckling hat sich dann jedoch abgemeldet. Drei Tage später ging ich zu ihm ins Büro und sagte ihm, die Stadt dürfte an die ZSG keine derart hohen Zuwendungen machen. Danach hörte ich weder von Stöckling noch von Kälin etwas. 

Fehlt es in der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft an Know-how?

Ja, in der Führung fehlt das Wissen, wie ein solcher Betrieb geführt und saniert wird. Der heutige Geschäftsleiter der Zürichsee Schifffahrt ist ein SBB-Mitarbeiter. Das sind Leute, die auch im Schlafwagen arbeiten.

«Die ZSG ist gänzlich intransparent - für einen öffentlichen Betrieb eine Schande»
Benno Gmür

Was läuft bei der ZSG falsch?

Zuerst einmal ist der Betrieb gänzlich intransparent. Es ist inakzeptabel, dass man nicht weiss, wie gross der Verlust ist oder wie hoch die Passagier-, respektive Ein- und Ausstiegszahlen sind. Und niemand weiss, woher die Gesellschaft wie viel Geld bekommt und wo es eingesetzt wird. Das ist für einen öffentlichen Betrieb unverantwortlich und eine Schande.

Der Verwaltungsrat der ZSG wird wie in einer Erbdynastie in der 4. Generation von der Bier-Familie Weber aus Au/Wädenswil geführt. Die 5. Generation mit der 26-jährigen Tochter des Präsidenten sitzt seit 2018 auch schon im Verwaltungsrat. Zudem sitzen dort vier Gemeinde- und Kantonsvertreter und zwei Schiff-Oldtimer-Fans. Ist der VR ein Folklore-Verein, der alljährlich als Sechsiläuten-Zunft am Umzug mitläuft?

Der Fisch stinkt bekanntlich immer zuerst am Kopf. In diesem Verwaltungsrat gibt es keine Fachleute, damit ist alles gesagt.

Ein Lieferant der ZSG hat Linth24 mitgeteilt, bei der Gesellschaft laufe alles kreuz und quer, es werde miserabel gearbeitet. Aber es werde immer alles bezahlt. Ist Ihnen auch schon solches zu Ohren gekommen?

Aus dritter Hand hörte ich ähnliches.

Die Panta Rhei soll zusätzlich zum 10-Millionen-Kauf nochmals 5 Millionen für «Basteleien» gekostet haben, wie ein Fachmann sagte.

Selbstverständlich hat man das Debakel in der Branche mitverfolgt. Nebst vielem anderem war in diesem Zusammenhang geradezu absurd, dass der Schiffsmotor bereits nach 10 Jahren ausgewechselt werden musste. Ein solcher läuft normalerweise rund 40 Jahre.

«Intrigen machen das Arbeiten zur Hölle»
Anonyme Bewertung eines Mitarbeiters der ZSG

Im Internet finden sich Mitarbeiteraussagen zur ZSG. Dort heisst es, in der ZSG gebe es «ein ständiges Gegeneinander statt ein Miteinander». Oder: Die Kadermitarbeiter «die dringend nötigen Reformen» verhindern. Und «die vielen Intrigen» würden «das Arbeiten zur Hölle» machen. Sind Ihnen solche Aussagen zur ZSG bekannt?

Ja, diese Kritik am Management ist mir bekannt. 

«Sollen denn die ZSG-Schiffe nach Hongkong fahren?»
Benno Gmür

Der Stadtrat von Rapperswil-Jona schreibt, wenn die Stadt die 600'000 Franken an die ZSG nicht bezahle, würde Rapperswil weniger von Zürichsee-Schiffen angefahren werden. Was sagen Sie dazu, gerade auch als Rapperswiler?

Rapperswil-Jona ist der beste Hafen ausserhalb der Stadt Zürich. Wohin sollen die ZSG-Schiffe denn sonst fahren? Nach Hongkong? Das fragte ich an meiner Besprechung schon Stadtpräsident Stöckling und empfahl ihm, die ZSG ja nicht mit mehr Geld abzufüttern. Ausserdem wären die Hafen-Anfahrten ein weiteres Thema, wie die Schifffahrt zur Rendite gebracht wird: Mit flexiblen Schiffgrössen und Anlaufstellen.

Linth24, Bruno Hug, Linda Barberi