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Leserbrief
Magazin
05.02.2021
05.02.2021 16:19 Uhr

Corona und der Tod – eine Zumutung?

Ein Trost von Saint-Exupéry aus der Kleine Prinz: «Man sieht nur mit dem Herzen gut.» (Bild: Art du trio/Adobe Stock) Bild: Art du trio/Adobe Stock
Der emsige Linth24-Leserbriefschreiber Beat Schuler aus Jona hat sich zum uns alle belastenden Thema Corona Gedanken gemacht.

Ist man 70plus, gehört man zu den Risikopersonen, so die Politik. «Wenn du 80 bist, stehst du in der ersten Reihe», sagte mir einst Max Bolliger, der bekannte Lyriker und Kinderbuchautor. Nur zehn Jahre später sind unsere Ansprüche an ein langes Leben deutlich gestiegen. Sterben mit 60 oder 70 ist mitten im Leben, mit 80 viel zu früh, unter 90 kein Thema, warum nicht erst mit 100 oder mehr. Und für die moderne Medizin scheint Sterben ohnehin eine Zumutung zu sein und ist wenn immer möglich zu vermeiden. Hören Sie die Kassen klingeln?

Den Teufel mit dem Belzebub austreiben?

Und dann kam Corona, und glücklicherweise – so dachten wir – 10‘000 km weit weg in China. Doch mit unserem Lifestyle haben wir die Welt zum Dorf, zum Supermarkt gemach. Alles ist zu haben, sozusagen um die Ecke, leider auch das Virus.
Unsere Hoffnung setzten wir zuerst auf das Contact Tracing, also in die weiter forcierte Digitalisierung. Die fehlenden Beziehungen zwischen den Menschen und die Langzeitschäden daraus sind Kollateralschäden, die wir bereit sind, entgegenzunehmen. Und nun die neue Hoffnung: Das Impfen! Immer und überall wieder Impfen: Und nach dem Nachlassen der Impf-Immunität kommen die Mutationen und wieder neues Impfen. Treiben wir da den Teufel mit dem Belzebuben aus?

«Das Virus wird mit uns sein»

Diese Woche las ich im Tages-Anzeiger, dass der Epidemologe und ETH-Professor Marcel Salaté sagte: «Der Virus wird für den Rest unseres Lebens mit uns sein.»

Für uns moderne Menschen ist die Machbarkeit für alles und jedes zur Selbstverständlichkeit geworden. Seit Covid-19 aber, wie wir langsam registrieren müssen, ist das ein Trugschluss. Und doch: Möglichst schnell zurück zur Zeit vor Corona zurückzukehren ist ein Wunsch, den die meisten hegen. Was das aber für die Umwelt und unsere Zukunft bedeutet, wissen wir alle. Offenbar wollen viele, wie seinerzeit der Belsazar, die Zeichen an der Wand nicht erkennen. Wie es auch der babylonische Regent nicht sehen wollte und noch in derselben Nacht von seinen Knechten erschlagen wurde.

Vielleicht tröstet uns der Gedanke des kleinen Prinzen von St. Exupéry: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Beat Schuler, Jona