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Rapperswil-Jona
18.01.2021
15.02.2021 10:22 Uhr

Es brennt in Rappi-Jonas Feuerwehr!

Irrationale Eskalation um Erste-Hilfe-Kurse: Stadtpräsident Stöckling (l.) und Feuerwehr-Kommandant Roland Meier (r.). Bild: Linth24
Feuerwehrchef Meier und Stapi Stöckling degradieren Feuerwehrler. Diese lancieren ein Referendum gegen das Feuerschutzreglement. Der Stadtrat engagiert einen Anwalt. Von Bruno Hug

In dieser Stadt brennt es an allen Ecken und Enden. Sogar bei der Feuerwehr. Eine Gruppe um den Ur-Rapperswiler Peter Hunziker lanciert auf der Webseite sicherheit-mit-zukunft.ch das Referendum gegen das neue Feuerschutzreglement der Stadt. Dabei müsste man meinen: Wen interessiert schon ein solches Reglement? Doch der Stadtrat schafft auch damit Probleme. Über 300 der nötigen 500 Unterschriften sind zusammen. Die Sammlung dauert noch bis 12. Februar 2021.

Start der irren Geschichte

So ging’s los: 2018 entschied die Feuerwehr Rapperswil-Jona, den Lehrpersonen der Stadt keine Erste-Hilfe-Kurse mehr zu geben. Das vermissten die Schulen Weiden und Paradies-Lenggis. Sie fragten deshalb Daniel Riesen, den bisherigen Kursverantwortlichen, Mitglied der Freiwilligen-Feuerwehr und von Beruf Lehrer, ob er die Kurse als Privater durchführen würde. Er bejahte und gründete dazu die Einzelfirma help2help-notfallschulungen.ch. Zusammen mit Christine Hunziker und weiteren Sanitätsausbildnern gab er im April 2019 dem Lehrpersonal erste Kurse. Die Schule bezahlte dafür hochoffiziell 700 bis 900 Franken pro Kurs.  

Feuerwehr-Kommandant Meier «irritiert»

Was den Schulen gut tat, gefiel aber Feuerwehrkommandant Roland «Roli» Meier nicht. Am 27. Januar 2020 mailte er an Daniel Riesen: «Zufälligerweise bin ich auf Deine Homepage hep2help gestossen. Ich bin sehr irritiert, dass Du und Deine Kameraden heimlich eine solche Organisation betreiben und das Kommando nicht informiert wurde.» Das sei «ein massiver Vertrauensmissbrauch». Die Mail ging an die ganze Feuerwehr-Führung und an Feuerschutzkommissions- und Stadtpräsident Martin Stöckling.

Kriegs-Ausbruch

Damit war der Krieg lanciert. Es folgten seitenweise Briefe, Mails, Sitzungen, Beschlüsse, Protokolle und selbst die Ombudsfrau der Stadt wurde eingeschaltet. Meier lässt sogar Umkleidekästen von Feuerwehrlern – inklusive deren persönliche Utensilien – räumen. Er fühlt sich hintergangen. «Vertrauensbruch» war am Laufmeter zu lesen. Und dann wird abgestraft: Daniel Riesen, seit Jahren Hauptmann des Sanitätszugs wird zum Oberleutnant degradiert. Zudem wird ihm die Führung des Sanitätszugs und die Ausbildner-Kompetenz entzogen. Und er soll keine Weiterbildung mehr erhalten. Christine Hunziker, die Riesen in den Kursen assistierte, wird zum einfachen «Soldat» abgestuft. Und auch ihr Mann, Peter Hunziker, wird degradiert. Das, weil er als Mann von Christine Hunziker den Kommandanten über die Erste-Hilfe-Kurse seiner Frau nicht informiert habe. Zudem werden noch weitere drei Feuerwehrler bestraft und verwarnt. Riesen tritt aus der Feuerwehr aus.

Peter Hunziker, Christine Hunziker, Daniel Riesen (v.l.n.r.): Referendum gegen das Feuerwehrreglement von Rapperswil-Jona Bild: Linth24

Stöckling stützt Meier

Am 3. März 2020 schreiben die abgekanzelten Feuerwehrler an Stadtpräsident Stöckling und schlagen eine friedliche Lösung des Konflikts in Form einer Mediation vor. Stöckling will nicht. Am 10. März 2020 fällt er seine Beschlüsse und bestätigt Meiers Strafen. Danach nehmen die Feuerwehr-Leute einen Anwalt und wehren sich gegen die Sanktionen. Und so weiter.

Stadtrat nimmt Anwalt

Nun beschäftigt der Flächenbrand im Feuerwehrdepot nicht nur die Verwaltung, sondern er kostet die Steuerzahler noch Geld: Im November 2020 engagierte der Stadtrat das Anwaltsbüro «gm» aus St. Gallen. Anwalt Dr. Stephan Staub vertritt jetzt auf Kosten der Steuerzahler die Stadt im Feuerwehr-Krieg.  

Linth24 bat Peter Hunziker, eine Chronologie des Geschehens zu erstellen, die wohl selbst regierungstreue Bürger «umhaut»:

Feuerschutzreglement stösst an

Parallel zu dieser Geschichte musste die Feuerwehr dem Kanton zufolge das Feuerschutzreglement erneuern. Darin hat «Commander» Meier – wie er in der Stadt genannt wird – auf die Vorkommnisse reagiert. In seinem Reglement heisst es: «Für Tätigkeiten ausserhalb der Feuerwehr, die einen engen Bezug zur Feuerwehr aufweisen … und das Wissen in der Feuerwehr … angeeignet wurde, gilt eine Meldepflicht an das Kommando.»
Diese und auch weitere Passagen im Reglement gehen Hunziker und anderen zu weit. Auch dem Vorstand der SP Rapperswil-Jona.

Schützenhilfe fürs Referendum

Der Parteivorstand teilte gestern mit, er unterstütze das Referendum gegen das vom Stadtrat verabschiedete Reglement. Es zementiere die «bisherige, umstrittene Führungsstruktur und -kultur der Feuerwehr Rapperswil-Jona». Es vergreife sich teils im Ton und schade der Feuerwehr. Störend sei auch, dass die Feuerschutzkommission – präsidiert von Stapi Stöckling – sowohl Aufsichts- als auch Fachkommission sei. Damit würden sich dieselben Personen beaufsichtigen und kontrollieren.

Kommentar

Haben wir nicht andere Sorgen?

Man kann es dem Leiter des Sanitätszugs, Daniel Riesen, ankreiden, dass er sein privates Engagement für die Erste-Hilfe-Kurse dem Feuerwehr-Kommandanten nicht gemeldet hat. Man kann sich aber auch auf seine Seite stellen: Er darf sein Wissen als Privatmann anderen weitergeben.

Was im ganzen Fall jedoch untragbar ist, wie der Stadtpräsident als Präsident der Feuerschutzkommission die Eskalation des Problems nicht nur zuliess, sondern sie durch seine Beschlüsse und sein unnachgiebiges Verhalten noch befeuerte. Statt die Beteiligten zur Vernunft zu bringen und die vorgeschlagene Mediation anzugehen, bestätigte er die fast ans irrationale grenzende Abstraferei von freiwilligen, verdienten Feuerwehrlern. Mit seinem Handeln stemmte er das Problem, das man als umsichtiger Vorgesetzter sonst im gegenseitigen Gespräch oder bei einem Bier löst, auf die Rechtsebene hoch. Das Stadthaus produziert damit ein weiteres Debakel, das perplex macht. Kommt noch dazu, dass es erst noch um eine gute Sache ging: um der Erste-Hilfe und die Ausbildung von Lehrpersonal.

Man fragt sich: Haben wir keine anderen Sorgen?

Bruno Hug