Es waren diese Nächte, in denen Schmerikon noch wach war. Licht in der Backstube, der Duft von frischem Brot und eine Schlange voller Geschichten. Der Nachtverkauf bei Tschirky war nie nur ein schneller Einkauf. Er war Begegnung, Trostpflaster nach dem Ausgang, Verlängerung eines guten Abends. Man traf alte Schulfreunde, lachte mit Fremden, biss ins warme Sandwich und wusste kurz, dass alles stimmt. Nach dem Ende bleiben Dankbarkeit, viele Erinnerungen und das leise Gefühl, dass etwas Einzigartiges fehlt. Marcel Tschirky teilt die an ihn geschickten Stories mit Linth24.
Albert
«Eine Freundin und ich hatten einen schönen Abend zusammen. Als es dann schon spät war, so gegen 1-2 Uhr morgens, hatten wir richtig Hunger, aber alles war natürlich geschlossen. Doch dann fiel uns ein: DÄ TSCHIRKYYYYY. Natürlich gingen wir direkt hin. Angekommen, dachten wir zuerst, wir stünden für einen Club an. Doch dann fiel uns ein, das alle diese Leute das gleiche Bedürfnis wie wir hatten: nämlich FEINE FRISCHE GIPFELI & SANDWICHES. Was auch immer. So standen wir in der Menge an. Von weitem sahen wir noch einen Security. Wir dachten uns schon, «also was geht denn hier ab?» Am Ziel angekommen, kamen wir uns vor wie Hänsel und Gretel im Paradies. Der Geruch dieses Buffets: einfach ein Traum. Wir kauften unsere Sachen und gingen direkt zum See. Sassen auf dem Bänkli und genossen so unseren Abend. Ein Traum. Es ist sehr sehr schade und traurig, dass so eine wundervolle Tradition zu Ende geht.
Danke für die tollen Momente.»
Margrith
«Von 2010 bis 2017 war Schmerikon mein Zuhause. In dieser Zeit entstand eine kleine, aber bedeutende Tradition. Oft kam eine gute Freundin aus Lenzburg zu mir. Wenn sie bei mir übernachtete, war eines immer klar: Mitternacht gehörte dem Tschirky.
Wir blieben absichtlich wach, manchmal schon leicht übermüdet, aber voller Vorfreude. Punkt Mitternacht machten wir uns auf den Weg zu Tschirky’s Nachtverkauf. Dort deckten wir uns dann richtig ein: Rohschinkenschnecke, Wienerli im Laugenteig (denen ich noch immer nachtrauere, seit Tschirky sie nicht mehr produziert.)
Diese Mitternachts-Tschirky-Dates begleiteten mich all die Jahre, bis ich schließlich wegzog. Und auch abgesehen davon war der Tschirky in der Nacht immer einer der besten Orte: der perfekte Zwischenstopp nach dem Ausgang, wenn man müde, glücklich und noch nicht ganz bereit fürs Bett war. Kurz rein, noch etwas holen, die Nacht verlängern und dann zufrieden nach Hause ins Bett fallen.
Der Mitternachts-Tschirky war nie einfach nur ein Laden. Er war ein Treffpunkt, ein Gefühl von Freiheit und ein kleines Stück zuhause mitten in der Nacht. Und nochmals viel feiner als vorne beim normalen Tagesverkauf. Frisch von der Backstube währt am besten!»
Alexandra
«In Gommiswald aufgewachsen. Egal wohin wir in den Ausgang sind: Sargans/St.Gallen/Glarus/Hinwil/Züri/Winti – auf dem Nachhauseweg nahmen wir liebend gerne einen Umweg für etwas Feines in Kauf, wie z.B die Rohschinken-Schnecken zum sofortigen Verzehr und den Sonntagszopf um die Eltern zu besänftigen.»
Laura
«Wir gingen nach fast jedem Eishockeymatch ein SUPER LECKERES Sandwich holen und sind dabei zum Teil bis zu 40Minuten angestanden. In der Schlange traf ich jeweils alte Schulkollegen, ehemalige Freunde und so ging die Zeit schnell um. Man konnte die Wartezeit sogar geniessen, da wir uns ansonsten sicherlich nicht getroffen hätten. Zudem mussten wir nach den Matches oder dem Ausgang nie hungrig nach Hause gehen. Die Kollegen konnten ausnüchtern, da sie etwas Gutes in den Magen kriegten; und wir konnten noch eine lustige Nacht verbringen, ohne das alle nach Hause mussten weil niemand mehr Hunger hatte. Im Sommer konnten wir nach langen Abenden mit der Familie und Freunden am See die leckersten Sandwichs verspeisen und wussten immer das TSCHIRKY unsere Rettung war. Das Personal und die Sandwichs waren immer super lecker und wir werden Sie sicherlich in der Nacht vermissen. Es ist unbeschreiblich, wenn man so ein super frisches Sandwich in der Hand halten kann.
Vor ein paar Jahren hatte ich sogar von meinem Schwarm jeweils am Freitagabend Sandwichs im Briefkasten, damit ich nach meinen Serienabenden nicht verhungerte und als Teenie nicht alleine in den Tschirky laufen musste.
Somit ein Riesen Dankeschön für eure tolle Arbeit. Auch an das Nachtverkaufsteam vielen herzlichen Dank. Vielen lieben Dank!!!!!»
Amer
«4 Berliner und 1 Schnitzelbrot um 5 Uhr morgens, das waren Zeiten! Für die Familie noch einen Zopf und schon war das Wochenende perfekt.»
Raviruban
«Tschirky war für mich nie einfach nur eine Bäckerei. Vor allem spät in der Nacht war es ein Ort, an dem man sich willkommen fühlte. Egal wie spät es war: Der Service war immer freundlich, herzlich und man hatte das Gefühl, dass die Mitarbeitenden ihren Job wirklich mit Einsatz machen. Dazu kam die grosse Auswahl an feinem Essen – genau das, was man nachts manchmal einfach braucht.»
Durch Tschirky habe ich ausserdem wieder alte Bekannte und Freunde getroffen, die ich sonst wahrscheinlich kaum mehr sehen würde. Es war ein Treffpunkt, an dem man sich spontan begegnete, zusammen lachte und wo wieder neue Verbindungen entstanden sind oder alte sich erneuerten. Der Mitternachtsverkauf war nicht nur ein «Store», sondern ein Platz, an dem Menschen zusammengefunden haben, um eine lustige und gleichzeitig leckere Zeit zu verbringen.
Dass Tschirky jetzt schliesst, bricht mir ehrlich gesagt das Herz. Es fühlt sich an, als würde nicht nur ein Geschäft verschwinden, sondern auch etwas, das für viele zur Tradition geworden ist – etwas, das man sich schon fast nicht mehr wegdenken konnte.
Trotzdem möchte ich Danke sagen: Danke an alle Mitarbeitenden von Tschirky für den grossartigen Service, den sie Nacht für Nacht geleistet haben. Ich wünsche euch von Herzen alles Gute für die Zukunft. Und ich hoffe sehr, dass es so einen Nachtverkauf irgendwann wieder gibt – weil solche Orte selten sind und vielen mehr bedeuten, als man von aussen vielleicht denkt.»