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03.10.2020
03.10.2020 08:32 Uhr

Zwangsdigitalisierung oder mehr Kundennutzen?

Auch der Radioempfang wird digitalisiert. Christopher Chandiramani veranschaulicht, was zu erwarten ist. Bild: unsplash/zvg
2022 ist der Ausstieg aller SRG- und Privatradios aus der UKW-Versorgung geplant. Damit wird nach dem Fernsehen auch der Radioempfang voll digitalisiert.

Wer heute bereits über Internet, Satellit oder Kabel Radio hört, muss in den kommenden Monaten nichts unternehmen. Betroffen sind aber die Zuhörer im mobilen Bereich, beispielsweise im Auto, im Büro, Küche, Camping, Schrebergarten, der Ferienwohnung usw. Hier dürften die älteren Geräte in Kürze stumm bleiben. Belohnt wird der Umstieg mit einer besseren, störungsfreien Tonqualität und dem Empfang von viel mehr Programmen. Zurzeit sind dies über 50, inklusive alle SRG-Regionaljournale und privaten Lokalprogramme der Schweiz. An einigen Orten in Rapperswil-Jona und des Linthgebiets sind auch DAB+-Programme aus Deutschland zu empfangen. An erhöhten Lagen mit Aussenantenne ist sogar Fernempfang mit deutlich über 100 Programmen möglich (Bundes-Multiplex, aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Österreich usw.).

Vom Radio zum «Empfangscomputer»

Gemäss Angaben der Arbeitsgruppe «digitale Migration» hören bereits 71 Prozent der Kunden digital und nur noch 19 Prozent analog über das traditionelle analoge UKW-Netz. Somit sollen durch diese Umstellung für einige Konsumenten neue Geräte angeschafft werden müssen. DAB-Radios sind tatsächlich kleine «Computer» mit einem Prozessor, einer Software, einem Display und einer Menu-Steuerung. IT-Kenntnisse sind von Vorteil, auch wenn die Bedienung sonst relativ einfach ist. Die Preislagen variieren stark. Ab etwa CHF 50 ist man bereits dabei. Aber zu billige Geräte dürften mit Ton und Empfangsqualität nicht befriedigen. Es sollte schon Stereo sein, mit zwei Lautsprechern, mindestens 10 Watt Musikleistung, und einem grossen und gut lesbaren Farbdisplay und Tonregler (Equalizer). Solche Geräte kosten etwa CHF 300-500. Es gibt auch Luxusausführungen teilweise über CHF 1'000 und Hi-Fi-Bausteine für Musikliebhaber. Empfehlenswert ist ein Kombigerät mit DAB+ und Internetradio. Damit wird die Programmauswahl noch umfangreicher. Unbedingt darauf zu achten ist, dass ein Gerät ans Stromnetz angeschlossen werden kann. Der Batterieverbrauch wäre sonst zu hoch.

Aus Alt mach’ Neu

Qualitativ hochwertige alte UKW-Radios muss man nicht wegwerfen. Man kann sie als Verstärker weiterverwenden, vorausgesetzt sie haben einen AUX-Eingang (für externe Tonquelle). Hier kann man mit einem DAB+-Adapter nachrüsten. Ein Zusatzgerät (im Handel erhältlich) kostet meist unter CHF 100, vorzugsweise auch mit Internet-Empfang. Nachrüstsätze gäbt es auch fürs Auto, aber hier wird der Anschluss komplizierter und teuer. Empfehlenswert ist, dass Auto-Neukäufer bei der Bestellung darauf achten und auf den serienmässigen Einbau eines Digitalradios beharren.

Die Nachteile der Digitalisierung

Neue Systeme bezüglich elektronischer Medien produzieren leider viel Elektroschrott, der entsorgt werden muss. Jede System-Umstellung ist schlecht für die Umwelt. Vergessen hat man auch die Notversorgung in Krisenzeiten. Digitalempfang sind nicht «bunkertauglich», Mittelwelle und UKW gingen besser durch Stahlbeton hindurch. Auch bei der Tunnelversorgung sind noch nicht alle technischen Probleme gelöst. Fürs Mobiltelefon gibt es keine DAB+-Apps. In Bezug auf Hotels und Spitäler ist die Umrüstung komplex und kostspielig. Hier hätte man mehr Übergangszeit geben müssen. Abgeraten wird der Kauf von Radios mit einem gummierten Gehäuse. Vulkanisierte Oberflächen werden mit der Zeit klebrig und lösen sich auf.

Christopher Chandiramani, freier Mitarbeiter Linth24