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Kaltbrunn
19.09.2020
19.09.2020 09:43 Uhr

Ortsgemeinde in Not: Präsident/-in gesucht!

In Kaltbrunn blieben alle Versuche, die freigewordene Stelle der Führung der Ortsgemeinde zu besetzen, erfolglos. Bild: Linth24
Trotz intensiven Bemühungen kann die Ortsgemeinde Kaltbrunn keine Kandidaten präsentieren, die dem Stimmvolk für das Präsidium zur Wahl stehen.

Burger-, Ortsbürger- oder Ortsgemeinden erfüllen in 14 Kantonen immer noch äusserst wichtige Aufgaben in der Verwaltung und Pflege von Wald, Landwirtschaft, Alpen und engagieren sich stark in den Bereichen Kultur und Soziales. Dass diese Aufgaben, die dem Gemeinwohl dienen, auch ordentlich geführt werden müssen, leuchtet ein. Mit der Wahl der damaligen OG-Präsidentin Daniela Brunner als Gemeindepräsidentin im Frühjahr 2020 entstand eine Vakanz in der Führung der Ortsgemeinde Kaltbrunn. Seither blieben alle Versuche, die freigewordene Stelle zu besetzen, erfolglos.

Kein Einzelkämpfer-Job

Als Gründe für Absagen führen  die vom Vorstand Angefragten laut Interimspräsident René Hager im Gespräch mit Linth24 immer wieder «Zeitmangel, Interesse-, Lustlosigkeit oder der Hinweis auf mangelnde Fähigkeiten» ins Feld. Dabei geht vergessen, dass die Funktion als OG-Präsident/in kein Einzelkämpfer-Job ist, sondern Teil eines Gremiums.

Das seit Frühling 2020 entlastete Pensum ist auch keine Fronarbeit, sondern wird ordentlich entlöhnt. Irene Looser, OG-VR fügt im Gespräch mit Linth24 an: «2015 liessen sich über 100 stimmberechtigte Einwohner samt Familie von ihrem alten Heimatort nach Kaltbrunn einbürgern.» Mit der Begründung, man wohne schon lange in der Gemeinde.

  • René Hager amtet während der Übergangszeit als Präsident der Ortsgemeinde Kaltbrunn. Bild: Linth24
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  • Irene Looser ist ein Vorstandsmitglied der Ortsgemeinde Kaltbrunn. Bild: Linth24
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Bei neuen wie bei Alteingesessenen geht vergessen, dass der Status als Ortsbürger nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten beinhaltet. Warum lässt man sich einbürgern, zeigt aber anschliessend kein Interesse, sich aktiv einzubringen? Das OG-Präsidium bringt Anerkennung, bietet aber wenig Plattform für Profilierungsgelüste. René Hager: «Nur so ist zu erklären, dass die Parteien bisher nicht Hand zur Wahl bieten.»

Interesse des Gemeinwohls

Es gibt im Kanton St. Gallen zwar keine Amtspflicht, doch muss hier an die Mitarbeit im Interesse des Gemeinwohls appelliert werden. Man kann nicht nur vom Besitz der Ortsgemeinde profitieren, wie dem tollen Alprestaurant Vorderwängi, dem Waldlehrpfad, der Schule im Wald oder dem Naturschutzgebiet Riet. Kann das Amt nicht besetzt werden, droht im schlimmsten Fall die Auflösung der Ortsgemeinde und die Abtretung der Güter an die Politische Gemeinde.

Markus Arnitz, freier Mitarbeiter Linth24