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Weesen
07.09.2020
26.08.2020 21:51 Uhr

«Mehr Ideen von aussen abholen»

Gemeindepräsident Marcel Benz sieht Weesen als kleines San Remo. Bild: Linth24
Die Corona-Krise hat den Tourismus in Weesen kräftig angekurbelt. Was das für Bevölkerung und Gemeinderat bedeutet, erfahren Sie im Wahl-Interview mit Gemeindepräsident Marcel Benz.

Dem Städtchen Weesen stehen 5 Gemeinderäte (inkl. Gemeindepräsident) vor. Für die kommunalen Walen 2020 gibt es weder einen Rücktritt noch eine zusätzliche Kandidatur. Darum dürfte wohl alles beim Alten bleiben... Zur Wahl stehen auch Schulrat und Geschäftsprüfungskommission.

Linth24: Mit welcher Metropole würden Sie Ihre Gemeinde vergleichen?

Marcel Benz: Aufgrund der Tatsache, dass wir in Weesen über ein mildes Mikroklima und gepflegte Parkanlagen direkt am See verfügen und natürlich auch um unseren Gemeindeslogan «Weesen – Riviera am Walensee» weiter zu promovieren, so würde ich uns mit gerne mit San Remo vergleichen.

Welches sind die wichtigsten Pendenzen Ihrer Gemeinde, die dringend angepackt werden müssen?

Das grösste und wichtigste Projekt ist die Revision der Ortsplanung inkl. Zonenplan und Baureglement, die unter Mitwirkung unserer Bevölkerung gestartet wurde. Diese wird uns sicher auch noch in der neuen Legislatur beschäftigen. Die Machbarkeitsstudie über unser Gemeindehaus soll bald aufzeigen, welche Entwicklungsmöglichkeiten wir mit diesem Gebäude und Grundstück haben, um die Grundversorgung der Gemeinde zu verbessern und damit auch das Städtchen weiter beleben zu können.

Für unsere Jugendlichen ist ein Treffpunkt zu kreieren. Daneben werden wir das Sportplatzerweiterungsprojekt mit drei Laufbahnen für die Schulen und Vereine zur Abstimmung bringen. Neu überprüft wird der Standort unseres Feuerwehrdepots.

Welche Schwierigkeiten bringt die Corona-Krise speziell für Ihre Gemeinde mit sich?

Mit der Corona-Krise haben die Besucherzahlen von Tagesausflügern in unsere Tourismusregion an schönen Wochenenden stark zugenommen. Das freut unsere Restaurationsbetriebe am See und die Walenseeschifffahrt, aber weniger unsere Einwohnerschaft, die sich in ihrer eigenen Bewegungsfreiheit eingeengt fühlt und durch Suchverkehr nach Parkplätzen belästigt wird. Die Gemeinde wird ihr Parkplatzregime überprüfen und hat bereits erste Massnahmen ergriffen, indem beim ehemaligen Bahnhof Weesen zusätzliche Flächen für Parkplätze während den Wochenenden angemietet wurden und der Einsatz der Gemeindepolizei zur Überwachung der Parkordnung verstärkt wurde.

Als Vorsteher unserer Gemeindeverwaltung war es mir ein Anliegen, einerseits unsere Besucher wie auch unsere Mitarbeitenden ausreichend vor Corona zu schützen, andererseits aber das Angebot des persönlichen Kontakts aufrechterhalten zu können. Leider konnte auch erstmals die ordentliche Bürgerversammlung wegen Corona nicht durchgeführt werden.

Was bedeutet Corona für Sie persönlich?

Persönlich nutzte ich das gute Wetter für regelmässige und längere Spaziergänge und Wanderungen in unseren Naherholungsgebieten. 

Unabhängig von Bund und Kanton: Welche Corona-Massnahmen würden Sie gerne für Ihre Gemeinde ändern?

An gewissen Wochenenden im Mai/Juni hätte sich die Weesner Bevölkerung sicher gewünscht, dass der Aufruf – «Bleiben Sie zuhause» – besser eingehalten worden wäre...

Welchen Kandidaten möchten Sie künftig unbedingt in Ihrem Gremium haben?

Einerseits freut es mich sehr, dass die ganze bisherige Exekutive sich für die neue Legislatur wieder für den Gemeinderat zur Verfügung stellt und wir unsere Zusammenarbeit mit neuen Legislaturzielen gemeinsam angehen und weiter stärken können. Andererseits würden zusätzliche Kandidaten der Bürgerschaft eine für die Demokratie wichtige Auswahl ermöglichen, die sie jetzt am 27. September aber nicht hat. Deshalb ist es mir ein Anliegen, den direkten Dialog mit unserer Einwohnerschaft zu intensivieren, um auch Ideen von «Aussen» abzuholen.    

Was würden Sie machen, wenn Sie überraschend nicht wiedergewählt werden?

Wer zu einer Wahl antritt, muss auch mit einer Nicht(wieder)wahl rechnen. Ich habe dieses Gemeindepräsidium vor 4 1/2 Jahren für mich nicht gesucht, sondern bin dafür angefragt worden. Weil ich in Weesen aufgewachsen bin, der Gemeinde etwas zurückgeben wollte und diese Aufgabe mich auch reizte, habe ich sehr gerne zugesagt. Weesen liegt mir am Herzen und ich bin weiterhin motiviert dieses Amt auszuführen und Verantwortung zu tragen.

Bei meiner Nichtwahl würde ich mich in meiner früheren Berufswelt umsehen und mich für eine neue Stelle bewerben, an der ich die wertvollen Erfahrungen als Gemeindepräsident auch einbringen könnte. Meine persönliche Unabhängigkeit, die auch damit verbunden ist, dass ich keiner politischen Partei angehöre, ist mir wichtig. Diese will ich mir bewahren. 

Gemeinden kommen zunehmend unter Druck. An jeder Ecke und für jedes Projekt lauern Einsprachen und Gegner. Hat sich die Welt des Regierens verändert und wenn ja, wie reagieren Sie darauf?

Ich glaube schon, dass sich für die Gemeinden und für die Exekutiven das Umfeld verändert hat. Die Rechtsetzung wird immer umfangreicher und komplexer. Die Gemeinden sind vermehrt für den Vollzug von Bundes- und Kantonsnormen zuständig und haben kaum mehr eigenen Spielraum, selber etwas zu gestalten. Das Zusammenleben wird im engeren Raum immer schwieriger, so dass der Ruf nach weiteren Regeln ertönt. Werden diese verletzt, wird Einsprache erhoben oder sofort prozessiert.

Wie darauf adäquat zu reagieren ist, ist ebenfalls schwieriger geworden. Der Egoismus nimmt leider vermehrt Überhand. Um dem entgegenzuwirken, sind Gespräche und viel Überzeugungsarbeit sowie sachliche Diskussionen wichtig. Ich wünsche mir doch etwas mehr Toleranz und Solidarität innerhalb unserer Gemeinde sowie ein respektvolles Umgehen miteinander. 

Gemeindewahlen im Linthgebiet

Alle Kandidatinnen und Kandidaten, die sich im Linthgebiet zur Wahl stellen, sehen Sie hier in der Übersicht von Linth24. Und die gesamte Wahlberichterstattung sowie Interviews mit den GemeindepräsidentInnen finden Sie im Linth-24-Wahlen-Dossier.

Sibylle Marti, Linth24