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Uznach
11.04.2022
12.04.2022 09:22 Uhr

Nur befristet: Pflegezentrum Uznach als Asylzentrum

Das gesamte Pflegezentrum soll per 1. Juli 2022 befristet vermietet werden.
Das gesamte Pflegezentrum soll per 1. Juli 2022 befristet vermietet werden. Bild: Markus Arnitz, Linth24
Die Schliessung des Pflegezentrums Uznach liess die Emotionen hochkochen. Nun wurde eine Übergangslösung als befristetes Asylzentrum gefunden – mit der Unterzeichnung des Vertrages wird jedoch zugewartet.

Am Montagmorgen informierten Kanton, Gemeinde und Zweckverband über die geplante Nutzung des geschlossenen Pflegezentrums in Uznach. Félix Brunschwiler, Gemeindepräsident von Schmerikon und Präsident des Zweckverband Pflegezentrum Linthgebiet, räumte gleich zu Beginn alle Zweifel aus dem Weg, ob die Schliessung wirklich nötig war. Die defizitären Zahlen sprachen eine zu deutliche Sprache. Moderator Sven Bradke: «Das Thema wird sicher alle noch eine Weile beschäftigen.»

Zweckverband, Kanon und Gemeinde stellen das geplante Asylzentrum vor: (v.l.n.r) Diego Forrer, Félix Brunschwiler, Jürg Eberle, Tilla Jacomet Bild: Markus Arnitz, Linth24

Drei Jahre lang bemühte sich der Verwaltungsrat um eine Neuausrichtung des regionalen Pflegezentrums. Weil aber konventionelle Langzeitpflege keine regionale Verbundaufgabe mehr ist, war die Herausforderung, alle Betten zu besetzen um den Betrieb kostendecken zu gewährleisten einfach zu hoch. Hinzu kam der Konkurrenzkampf mit gemeinde-eigenen und privaten Pflegeinrichtungen. Félix Brunschwiler: «Der bei der Bevölkerung entstandene Eindruck, man hätte das Pflegezentrum heruntergefahren, um Platz für Asylsuchenden zu machen, ist unhaltbar.»

Félix Brunschwiler, Präsident Zweckverband, erläutert die Fakten, die zur Schliessung führten. Bild: Markus Arnitz, Linth24

Asylzentrum nur als Zwischennutzung

Jürg Eberle, Leiter Migrationsamt St. Gallen: «Die bisherigen Erfahrungen und Prognosen zeigen, dass die Asylgesuche mit Beginn der Schönwetterperiode ansteigen. Die bisherigen kantonalen Zentren sind bereits bei 80 bis 85% Auslastung. Die Vorlaufzeit bei Zuweisungen des SEM beträgt gerade mal 12 Stunden. Der Kanton hat dem Migrationsamt den Auftrag für eine neues Zentrum erteilt. Zufällig erfuhren wir vom leerstehenden PZL.»

Befristeter Mietvertrag

Die Parteien vereinbarten einen befristeten Mietvertrag, der aber noch nicht unterschrieben ist. Diego Forrer, Gemeindepräsident von Uznach: «Am 26. April werden wir in der Aula Haslen die Bevölkerung informieren. Der Gemeinderat Uznach steht hinter dem Projekt, gibt der Bevölkerung aber auch Zeit und Möglichkeit, sich zum geplanten Zentrum zu äussern.»

  • Jürg Eberle, Leiter Migrationsamt SG erklärt die Notwendigkeit und den Auftrag für ein Asylzentrum. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Diego Forrer, Gemeindepräsident Uznach: «Der Gemeinderat steht nach intensiver und kritischer Prüfung hinter der geplanten Nutzung.» Bild: Markus Arnitz, Linth24
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Verträge noch nicht unterschrieben

Félix Brunschwiler: «Der Zweckverband macht nichts ohne Einverständnis der Gemeinde Uznach.». Die involvierten Vertragsparteien wünschen sich mehr Sachlichkeit in der ganzen öffentlichen Diskussion. Jürg Eberle: «Die Einwohner sollen bei Fragen das Migrationsamt St. Gallen kontaktieren. Wir sind offen und bereit und nehmen die Sorgen und Ängste ernst.» Die Konditionen des Mietvertrags richten sich nach einem Gutachten zu marktüblichen Bedingungen, gemietet wird das ganze Objekt, sämtliche Nebenkosten werden übernommen. Das geplante Asylzentrum wird auch Arbeitsplätze schaffen

Kein Ferienlager

Tilla Jacomet, Leiterin Asylabteilung des Migrationsamtes: «Der ganze Betrieb wird von den Asylsuchenden so weit als möglich bewirtschaftet. Alle sind in eine klare Struktur eingebunden. Schul- und Sprachunterricht für Erwachsene, Kinder und Jugendliche, Reinigung, Unterhalt, Beschäftigungsprogramme.

Tilla Jacomet, Leiterin Asylabteilung, bei der Führung und Erläuterung zur Nutzung der Räume. Bild: Markus Arnitz, Linth24

Sonderfall Ukraine

Falls nötig, werden im Zentrum auch ukrainische Flüchtlinge untergebracht, bis die Gemeinden diese selber platzieren können. Die ukrainischen Flüchtlinge sind Schutzsuchende und sind nicht in einem normalen Asylverfahren. Die Höchstzahl an Bewohnern im Zentrum liegt bei 100-140 Asylsuchenden oder höchstens 160 Flüchtlingen.

Informationsveranstaltung am 26. April 2022

Der Kanton, die Standortgemeinde Uznach und Vertreter des Zweckverbandes informieren die lokale Öffentlichkeit an einer Informationsveranstaltung über das geplante und befristete kantonale Asylzentrum. Die Veranstaltung findet am 26. April 2022 um 19 Uhr in der Aula Haslen in Uznach statt. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Markus Arnitz, freier Mitarbeiter Linth24