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Kolumne
28.01.2022
28.01.2022 18:46 Uhr

Aktienmärkte auf der Achterbahn

Christopher Chandiramani: «Bereits der Montag begann mit einem Verlust von über zwei Prozent, dann erholte sich die Börse leicht, bei anhaltend grossen Schwankungen.»
Christopher Chandiramani: «Bereits der Montag begann mit einem Verlust von über zwei Prozent, dann erholte sich die Börse leicht, bei anhaltend grossen Schwankungen.» Bild: Linth24
Zum Monatsende gerieten die Börsen in Turbulenzen. Die Schwankungen zwischen Tagesgewinnen und -verlusten waren aussergewöhnlich hoch. Kriegs-, Inflations- und Zinsängste waren die Ursache.

Bereits der Montag begann mit einem Verlust von über zwei Prozent, dem grössten Tagesverlust seit zwei Jahren. An den Folgetagen erholte sich die Börse leicht, aber bei anhaltend grossen Schwankungen.

Spielverderber war die amerikanische Notenbank FED, welche von einer strafferen Geldpolitik ausgeht. Es wird von vier Zins-Anhebungsschritten für 2022 gesprochen. Die US-Wirtschaft ist letztes Jahr um fast 7 Prozent gewachsen bei entsprechender Inflation. Dies gilt auch in abgeschwächter Form für Europa und Asien.

Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine bereitet Sorgen, speziell die Truppenzusammenzüge an den Grenzen und das diplomatische Säbelrasseln im Vorfeld beunruhigten.

Ähnlich chaotisch wie die Börsen ist die Corona-Politik der einzelnen Staaten. Dänemark und Grossbritannien werden fast alle Beschränkungen aufheben, dies trotz stark steigenden Fallzahlen, Österreich führt ab Februar die Impfpflicht ein. In Deutschland wird über eine strengere Impfstrategie im Parlament diskutiert, und die Schweiz wird die Geltungsdauer der Covid-Zertifikate verkürzen, kündigt aber Lockerungen an.

Unternehmensmeldungen

Die Aktien des Chemie- und Pharmazulieferers Lonza waren nach Publikation der Zahlen des Vorjahres sehr volatil. Die Gesellschaft erzielte ein starkes Ergebnis mit 20 Prozent Umsatzwachstum auf 5.4 Mrd. CHF. Aber der Reingewinn dürfte nicht ganz mithalten infolge Rückstellungen und Altlastsanierungen (Deponien).

Ähnlich mit Gewinnmitnahmen reagierten die Aktien des Aromen- und Riechstoffherstellers Givaudan. Höhere Kosten trüben ein sonst erfolgreiches, krisenfestes Jahr. Der Umsatz stieg um knapp 6 Prozent auf 6.7 Mrd. CHF und das organische Wachstum lag mit 7 Prozent auf Rekordniveau.

Bei Swatch waren die Uhrenexporte im Jahr 2021 wieder über dem Vor-Corona-Niveau. Insgesamt sind die Schweizer Uhrenexporte im 2021 im Vergleich mit dem durch Corona stark betroffenen Jahr 2020 um über 31 Prozent auf 22.3 Mrd. CHF gestiegen.

Der Schokoladehersteller Barry Callebaut wächst deutlich schneller als der Gesamtmarkt. Die Verkäufe stiegen zwischen September und November 2021 um 8.9 Prozent auf 610'048 Tonnen. Beim Umsatz ergab sich ein Plus von 14.3 Prozent auf 2.03 Mrd. CHF.

Der Umsatz des Milchverarbeiters Emmi verbesserte sich dank starkem Auslandsgeschäft und trotz volatilem Umfeld sowie steigenden Kosten auf CHF 3 Mrd. (+5.6%).

Das Dentalunternehmen Coltene steigerte 2021 der Umsatz um 12 Prozent auf CHF 279.2 Mio. bei einer Betriebsgewinn-Marge von 15.7 Prozent (ohne Sondereffekte).

Wie am Donnerstag bekannt gegeben wurde, wird die Liechtensteinische Landesbank die Bank Linth voll übernehmen. Die Minderheitsaktionäre (Anteil 25%) sollen wahlweise CHF 600 pro Aktie erhalten oder 5 Aktien der LLB und zusätzlich CHF 323 Barabfindung.

Aussichten

Das Wachstum der Weltwirtschaft dürfte im Jahr 2022 wiederum über dem langfristigen Trend liegen. Die Erholung von der Pandemie wird sich fortsetzen, aber bei nachlassender Dynamik.

Die Risiken haben sich jedoch weiter erhöht. Lieferengpässe, Teuerung und vor allem höhere Rohstoffpreise dürften noch eine Weile anhalten. Das gilt auch für den Fachkräftemangel. Geopolitische Konflikte werden immer wieder aufflackern (Ukraine, Taiwan).

Die US-Notenbank hat das Ende der Tiefzinspolitik verkündet, was die Aktien belastet. Die Märkte haben sich seit Jahresbeginn bereits negativ entwickelt und die Volatilität ist markant gestiegen. Unternehmensabschlüsse verstärken die Schwankungen teilweise zusätzlich.

Aber die Wachstumsperspektiven bleiben intakt. Kursübertreibungen der Aktien nach unten können für Zukäufe genutzt werden.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24