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Leserbrief
Rapperswil-Jona
06.12.2021
06.12.2021 17:02 Uhr

Zwei Meinungen zur Lido-Abstimmung

Zwei Linth24-Leser aus Rapperswil-Jona geben ihre Ansichten zur Lido-Badi und deren Zukunft kund.
Zwei Linth24-Leser aus Rapperswil-Jona geben ihre Ansichten zur Lido-Badi und deren Zukunft kund. Bild: zvg
Zwei Rapperswil-Joner Bürger machen sich Gedanken zum Lido-Paukenschlag. Der eine sieht darin einen Pyrrhussieg mit Folgen für Familien und Kinder, der andere fragt sich, wie weiter nach dem Paukenschlag.
  • Leserbrief von Marcel Gasser aus Rapperswil

Ein Pyrrhussieg mit Folgen für Familien und Kinder

«Da rieben sich nicht nur die Stadträte die Augen. Nein, auch die in diesem Traktandum unterlegenen Bürgerinnen und Bürger an der spärlich besetzten Bürgerversammlung in der Sporthalle Grünfeld staunten ungläubig. Gerade mal ein Statement von Joe Kunz genügte, dass ein knappes Mehr der nur 249 anwenden Personen (1.3% der Stimmberechtigten) das Lido-Sanierungsprojekt beerdigte.

Von allen politischen Parteien, die das Projekt unterstützten, sah sich – bis auf eine – keine Partei veranlasst, mit einem beherzten Statement für ein Ja in die Bresche zu springen. Ein Armutszeugnis. Oder dann standen diese Parteien ohnehin nur halbherzig hinter dieser Sanierung und nahmen ein Scheitern in Kauf. Schon aus dem Applaus für Joe Kunz’ Statement war zu schliessen, dass eine Überraschung in der Luft lag.

Der Stadtrat hat zwar im Vorfeld medial gut und offen informiert sowie die Mitwirkung der Bevölkerung gesucht und eingebracht. Trotzdem muss er sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er es verpasst hat, den Anwesenden die Folgen eines Neins noch einmal ohne Polemik, sachlich und verständlich aufzuzeigen.

Der Souverän hat entschieden, und etwas mehr als die Hälfte der gerade mal 249 Anwesenden hat das von 450 Leuten und wohl vielen weiteren Rapperswil-Joner bevorzugte Sanierungs-Projekt Lido «beerdigt». Dieser Entscheid wird das sommerliche Freizeitangebot für Familien und Wassersportvereine auf Jahre hinaus stark einschränken. Unter anderem wird damit auch ein wichtiger sozialer Treffpunkt für Familien mit Kindern entfallen; insbesondere auch für solche mit Migrationshintergrund. Ab Herbst 2022 wird Rapperswil-Jona also neben einem «Tot»-Hotel am Hafen auch eine «Tot»-Badi im Lido haben. Die veranschlagten Sanierungskosten wären, angesichts der Tatsache, dass jede kleine Unterführung Millionen kostet, längstens zu verkraften gewesen.

Die Vorstellung der obsiegenden Gegner, ein Neubau mit Frei- und Hallenbad sowie Eisanlagen lasse sich in 6-8 Jahren realisieren ist illusionär. Acht bis zehn Jahre sind allein schon aufgrund der zwingenden politischen Prozesse auf Gemeindeebene, von Architekturwettbewerben, den Ausschreibungs- und Vergebungsverfahren bis hin zu wahrscheinlichen Einsprachen sehr sportlich geschätzt, von den absehbaren politischen Auseinandersetzungen ganz zu schweigen. Sogar privatwirtschaftliche Grossprojekte beanspruchen in dieser Stadt einen Realisierungshorizont von acht bis zehn Jahren.

Das Volk hat immer recht, heisst es im Volksmund. Abschliessend sei die Frage aber doch erlaubt, was das noch mit echter Demokratie zu tun hat, wenn gerade mal 1.33% der Stimmberechtigten Entscheide von solcher Tragweite fällen. Ein Argument mehr für ein Parlament und Urnenabstimmungen bei solchen Projekten. Aber jetzt ist Gegenwart. All jene, die der BüV ferngeblieben sind, sich nun verwundert die Augen reiben und mit dem Entscheid hadern, müssen sich an der eigenen Nase nehmen.»

  • Leserbrief von Beat Schuler aus Jona

Wie weiter nach dem Paukenschlag?

«Eigentlich müsste der Bauchef Christian Leutenegger dem Rapperswiler Inselwart Joe Kunz dankbar sein. Er hat an der Bürgerversammlung auf überzeugende Art und Weise zum Ausdruck gebracht, was die Mehrheit in RJ will: Ein neues, sinnvolles Projekt, vermutlich eine Kombination Hallenbad-Freibad, welches in jeder Jahreszeit attraktiv und offen ist, und zwar nicht irgendwann sondern subito!

Warum wohl wurde in der Umfrage von 86% die Variante mit dem teuren Provisorium angekreuzt? Weil die 4. Variante gefehlt hat! Diese wäre ein neues Projekt, und zwar eben jetzt und nicht in 15 Jahren. Dies war offenbar für den Stadtrat nicht opportun.

Wenn nicht einmal 700 Leute an einer Umfrage teilnehmen und 1,3% der Stimmberechtigten die Bürgerversammlung besuchen, kann jedenfalls nicht von einem repräsentativen Ergebnis gesprochen werden. Auch hier fehlt das seit Jahren auch vom Stadtrat verhinderte Parlament.

Wie also weiter?

Herr Christian Leutenegger, vor kurzer Zeit noch als Bauführer in der Privatwirtschaft tätig, kennt Kreativität und Möglichkeiten dieser Branche. Als Laie staunt man immer wieder in welchem Tempo grosse Überbauungen realisiert werden. Warum also nicht das von der Bevölkerung gewünschte Lido unbürokratisch und kreativ und zeitnah umsetzten.

Herr Leutenegger, nehmen Sie Joe Kunz beim Wort. Er soll als befristeter Projektleiter für das Lidoprojekt Verantwortung und Führung übernehmen, das Bauamt entlasten und direkt Ihnen unterstehen. Joe Kunz kann beweisen, dass seine Zeitvorgaben von 6-8 Jahren machbar sind.»

Marcel Gasser, Beat Schuler