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Schmerikon
23.07.2021
23.07.2021 13:11 Uhr

SBB sorgt in Schmerikon für mächtigen Ärger

Der Lärm, der durch die Bauarbeiten am Bahnhof Schmerikon entsteht, erhitzt die Gemüter.
Der Lärm, der durch die Bauarbeiten am Bahnhof Schmerikon entsteht, erhitzt die Gemüter. Bild: zVg
Seit Tagen nerven sich Anwohner und Wirte über den nächtlichen Baulärm rund um den Bahnhof Schmerikon. An Schlaf ist nicht zu denken. Die Gäste der angrenzenden Gastrobetriebe bleiben wegen des Lärms aus.

Damit die Züge auch weiterhin sicher und pünktlich unterwegs sind, erneuert die SBB die Fahrbahn zwischen Rapperswil und Schmerikon. Auf rund vier Kilometern Länge wird der Oberbau – also Schwellen, Schienen und Schotter – saniert. Gesamthaft ersetzen die Gleisbauteams rund 6500 Schwellen und erneuern rund 9000 Tonnen Schotter.

Anwohnende nerven sich

Nun haben am Bahnhof Schmerikon die Fahrbahn- und Tiefbauarbeiten begonnen. Speziell in den letzten Tagen wurde es nachts sehr laut. Ein lieber anonym bleibender Anwohner berichtet, dass letzten Sonntag bereits um 23:30 Uhr mit der Nachtarbeit wieder begonnen wurde. Auf den sozialen Medien verschafft sich Anwohnerin D.Vorburger Luft: «An Schlaf ist nicht zu denken. Kann mir jemand erklären, warum nachts gearbeitet wird, man hat ja den Bahnbetrieb für 5 Wochen eingestellt?». Anwohner R.S. kann nicht mehr richtig arbeiten: «Ich lag schon einige Nächte wegen des Lärms wach und war am andern Tag bei der Arbeit entsprechend weniger leistungsfähig.»

Tagsüber ist es auf der Baustelle meist ruhig. Bis am Mittag sind kein Arbeiter zu sehen. Am Mittwoch wurde von 14 Uhr bis über Mitternacht gearbeitet.  Der ehemalige Schmerkner Gemeinderat Urs Kälin schreibt im öffentlichen Forum, man arbeite wohl nachts, damit die Bauarbeiter nicht in der Hitze eines Sommertags arbeiten müssen. «Und was ist mit den Strassenarbeiter auf den Autobahnen oder den Dachdeckern? Arbeiten die auch nachts?» fragt sich ein weiterer Schmerkner.

SBB entschuldigte sich im Vorfeld

Mit dem Lärm war jedoch zu rechnen. Im Vorhinein verteilte die SBB ein Schreiben an alle Anwohnenden, in welchem sie die geplanten Nachtarbeiten und die Einschränkungen aufführten. Zudem schrieb die SBB darin: «Wir setzen uns dafür ein, die unumgänglichen Lärmemissionen so gering wie möglich zu halten.
Für die Unannehmlichkeiten entschuldigen wir uns und bitten Sie um Ihr Verständnis.»

«Bagger stehen tagsüber still»

Ein weiterer Anwohner beklagte sich darüber, dass man die Bagger tagsüber einfach stillstehen sehe und diese erst in der Nacht zum Einsatz kommen würden. Jedoch ist dabei der Zeitplan und die Länge der Baustelle zu bedenken. «Auf einer solch langen Baustelle wird nie immer gleichzeitig überall gearbeitet», erklärt die SBB. Zudem gebe es Zeitfenster für die Logistik (den Abtransport von «altem» Material und die Anlieferung von «neuem» Material), welche u.a. auf den Fahrplan der Züge abgestimmt sein müssen, um sich nicht in die Quere zu kommen.

«Erst Corona, dann der Lärm»

Für die Gastrobetriebe in Gleisnähe geht der Lärm mit einem markanten Umsatzrückgang einher. Nach Angaben eines Lastwagenchauffeurs wurden alleine vom gestrigen frühen Abend bis um Mitternacht 600 Tonnen Schotter ausgehoben und abtransportiert. Ganz nahe am Geschehen steht das Schmerkner «Ahoi». Chef Cony Sutter meint auf Anfrage: «Natürlich ist uns allen klar, dass so ein Ausbau und der damit verbundene Aushub von Schottersteinen Lärm verursacht. Das ist unumgänglich, aber wieso nicht tagsüber? Die Strecke Uznach-Rapperswil ist 5 Wochen gesperrt! Wir hoffen, dass zumindest am Freitagabend der Lärm ausbleibt».

Man verstehe zum Teil das eigene Wort auf den Terrassen nicht, klagen die Gastrobetriebe und das ausgerechnet zur besten Feierabendzeit. So mache ein Restaurantbesuch keinen Sinn. Die Gäste blieben aus. Ein weiterer betroffener Wirt klagt: «Erst Corona und jetzt, wo es endlich schönes Wetter gibt, macht uns die SBB das Geschäft kaputt».

Auch Franz Arnold, Wirt vom Seehof in Schmerikon, bemerkt eine Auswirkung des Lärms: «Meistens wird immer dann gearbeitet, wenn Essenszeit ist. Man merkt, dass die Leute vom Lärm gestört werden. Die Gäste bleiben nämlich nicht mehr sitzen. Sobald sie gegessen haben gehen sie auch schon wieder – das ist sehr schade.»

Bald vorbei

Der nächtliche Lärm am Bahnhof Schmerikon dürfte jedoch bald vorbei sein. Im Schreiben der SBB ist nachzulesen, dass die Nachtarbeiten in Schmerikon nur vom 18. bis 23. Juli 2021 geplant sind.

Linda Barberi, Linth24