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"Bis jetzt kriegen wir es relativ gut hin"

Nur fürs Foto ohne Maske: Hannes Trinkl in seinem Wirken in Kitzbühel Bild: KEYSTONE/APA/APA/HELMUT FOHRINGER
Ski alpin – Die Zuschauer fehlen. Doch im Vergleich zu anderen Sportarten sind die alpinen Skirennfahrer bis jetzt einigermassen gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Die FIS rechnet nicht mit einer WM-Absage.

Im finnischen Levi gab es vor dem ersten Frauen-Slalom des Winters wegen des Ausschlusses des schwedischen Teams Verstimmungen, in Wengen wurde den Lauberhornrennen von den Behörden der Riegel vorgeschoben. Ansonsten läuft der Weltcup-Betrieb der Alpinen vergleichsweise rund. Einzelne positive Fälle im Tross lösten keine Flächenbrände aus, und dass der am Coronavirus erkrankte Männer-Rennchef Markus Waldner in Kitzbühel ohne grosses Aufsehen durch seine Assistenten Hannes Trinkl und Emmanuel Couder ersetzt wird, passt ins Bild: Die FIS schlängelt sich mit funktionierendem Sicherheitsprotokoll und der nötigen Flexibilität geschickt durch das Programm.

Nächster Knackpunkt ist die WM in Cortina d'Ampezzo vom 8. bis 21. Februar. Entgegen anderslautender Medienberichte rechnet die FIS nicht mit einer Absage. "Ich hoffe schon, dass die WM stattfindet und habe auch noch nichts Gegenteiliges gehört", sagt Hannes Trinkl am Rande der Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel.

Hannes Trinkl, wie schätzen Sie die aktuelle Situation im Ski-Weltcup derzeit ein?

"Momentan heisst es einfach, dass wir sehr, sehr flexibel und vorsichtig sein müssen. Bis jetzt kriegen wir es relativ gut hin, auch weil alle gut mithelfen und sich alle strikte an die Vorgaben halten. Ich hoffe, dass das so bleibt und nach Wengen keine weiteren Absagen dazukommen. Dass wir in Wengen nicht fahren konnten, ist sehr schade und tut weh, auch weil sich die Organisatoren sehr bemüht haben. Wir wissen alle, wie skisportbegeistert die Schweizer sind."

Unweit von Kitzbühel trat in der letzten Woche die mutierte britische Corona-Variante auf. Zwei Slaloms wurden nach Flachau verlegt, für die Speedrennen von diesem Wochenende gab es grünes Licht.

"Die Entscheidungshoheit liegt natürlich bei den Behörden. Wie überall, wo wir hinreisen, wurde im Vorfeld viel getestet. In Jochberg, wo die Fälle auftraten, unterzogen sich von den 1500 Einwohnern 1100 einem Test. Man ist überall darum bemüht, dass die Corona-Zahlen so niedrig bleiben, wie sie sind."

Der Saison-Höhepunkt, die WM in Cortina d'Ampezzo im Februar, naht. Vor einer Woche machten Meldungen die Runde, dass die Durchführung ernsthaft in Gefahr sein soll. Wie stehen die Chancen?

"Ich hoffe schon, dass die WM stattfindet und habe auch noch nichts Gegenteiliges gehört."

Was vernehmen Sie aus Cortina?

"Die Vorbereitungen laufen, natürlich auch dort unter sehr strengen Voraussetzungen. Nächste Woche werde ich hinreisen, um zu schauen, wie es um die Pisten steht. Bei der Gelegenheit werde ich auch ein Bild bekommen, wie die Gesamtsituation rund um die Pandemie vor Ort ausschaut. Natürlich sind die Organisatoren sehr bemüht, dass wir Rennen werden fahren können und dass alles so sicher wie möglich abläuft."

Die Vorgaben und Restriktionen in diesem Winter sind streng. Fällt es leicht, diese zu akzeptieren und einzuhalten?

"Wir wissen, dass wir privilegiert sind und sind alle sehr froh darüber, dass wir unserer Arbeit nachgehen können und fahren dürfen. Unter diesen Voraussetzungen fällt es leicht, die Protokolle einzuhalten. Es gilt, das Beste aus der Situation zu machen, und ich hoffe, dass wir mit den Rennen auch etwas Freude in die Wohnstuben bringen, für die Leute, die sich nicht so frei bewegen können oder gerade in Quarantäne sind."

Was sind die grössten Herausforderungen für Sie als stellvertretender Rennchef?

"Unsere Herausforderungen sind immer Wetter und Piste, auch jetzt. Wir wollen den Athleten stets die Bühne bieten, die sie verdient haben und sie auch brauchen, um ihr Können zu zeigen. Klar, es ist aktuell eine Gratwanderung. Man muss immer wieder daran denken, dass man Abstand halten und die Maske tragen muss. Wichtig und entscheidend ist auch, dass die Leute, die am Berg arbeiten, regelmässig getestet werden. Für die, die so arbeiten müssen, ist das ist nicht immer angenehm. Allen ist aber bewusst, wie wichtig es ist."

Lässt sich der Zusatzaufwand auf Dauer stemmen?

"An die Gesundheit geht es nicht, glaube ich. Aber auf Dauer schlägt es auf die Moral. Der Mensch ist ein soziales Wesen, die Kontakte und die Nähe fehlen. Ich denke auch jeden Tag an die Menschen, die keine Arbeit haben, die in Existenznöten sind und nicht wissen, wie sie ihre Miete bezahlen und Essen kaufen sollen. Der finanzielle Druck, den viele Leute momentan haben, muss zermürbend sein. Auch darum schätze ich uns, die wir arbeiten dürfen und ein Einkommen haben, in einer glücklichen Lage."

Keystone-SDA