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Rapperswil-Jona
24.11.2022
25.11.2022 07:37 Uhr

Badi Lido: 1'053 Unterschriften für die Volksmotion

Bianca Brunner und Joe Kunz: Motion mit 1’053 Unterschriften für die Offenhaltung der Badi Lido.
Bianca Brunner und Joe Kunz: Motion mit 1’053 Unterschriften für die Offenhaltung der Badi Lido. Bild: Linth24
Ohne grosse Werbung und in kurzer Zeit haben 1'053 Bürgerinnen und Bürger eine Motion zur Offenhaltung der Badi Lido unterschrieben. Die IG sagt: «Der Badi-Abbruch ist unnötig». Von Bruno Hug

Für eine Volksmotion in Rapperswil-Jona werden 200 Unterschriften benötigt. Die «IG Badi Lido bleibt offen» schaffte in wenigen Wochen das 5-fache, sprich, 1'053 Unterschriften.

Die Motion ist ein rechtliches Instrument, das den Stadtrat bindet. In der Badi-Motion wird wörtlich verlangt: «Der Stadtrat wird beauftragt, die Badeanstalt Lido (Freibad und Seezugang) bis zum Baubeginn einer neuen Anlage für die Bevölkerung offen und in Betrieb zu halten.»

Stadtrat in der Zwickmühle

Für den Stadtrat wird diese von über 1'000 Bürgerinnen und Bürgern gestellte Forderung zur Zwickmühle: Er muss die Motion zur Abstimmung bringen. Andererseits will er die beliebte Badi, in der im Sommer bis zu 1'000 Personen pro Tag baden, abbrechen. Der Rat müsste also über etwas abstimmen lassen, das er abgebrochen hat.

IG sagt: Badi-Abbruch nicht nötig

Geführt wird die IG vom Rapperswiler Joe Kunz und Bianca Brunner. (Der hier Schreibende ist Mitglied dieser IG). Bianca Brunner ist in Sachen Badi Lido bekannt. Sie hat Anfang 2020 mit einer Petition die Öffnung der Badi Lido schon einmal erreicht und sagt, sie sei «auch bei dieser Motion überrannt worden mit Sympathie-Bekundungen aus dem Volk».

Medieninformation zu Stadtrats-Info

Die «IG Badi Lido» präsentierte heute in einer Medieninformation eine Analyse der vom Stadtrat am 2. November 2022 offengelegten Akten zum Badi-Abbruch. Die IG hat die Akten analysiert. Sie kommt zum Schluss, dass viele der Aussagen des Stadtrates «tendenziös und teils falsch» seien. Es zeige sich, dass der Abbruch der Badi nicht nötig sei. Die Badewasser-Technik sei funktionsfähig und die Wasserqualität sei immer «in Ordnung» gewesen, was durch Prüfungen belegt sei.

Kanton erteilt Bewilligung

Aus den der IG vorliegenden Mailwechseln zwischen Stadt und Kanton ist auch bekannt geworden, dass der Kanton die Betriebsbewilligung für die Badi Lido jeweils «anstandslos erteilt» habe. Dies entgegen den Aussagen des Stadtrates in den letzten Jahren.

Ausserdem seien die Kellerräume der Badi-Restauration nicht einsturzgefährdet, da sie Anfang 2020 mit 250 Stützen gesichert wurden. Zudem würden die Räume für Wassertechnik und Eisstadion-Heizung unter der Badi-Terrasse liegen. Damit seien diese wichtigen Anlagen doppelt nicht gefährdet. Obendrein seien beide Räume von den Ingenieuren in Gutachten aus dem Jahr 2020 freigegeben worden.

Noch schnell 3 Gutachten eingeholt

«Mysteriös» sei auch, so Joe Kunz, dass der Stadtrat nach der Aufforderung zur Offenlegung der Badi-Akten Anfang Februar 2022 noch schnell drei Gutachten eingeholt habe. Kunz sagt dazu: Das Einholen dieser «oberflächlichen» Stellungnahmen in Form von Kurzbriefen belege, dass die Aussagen des Stadtrates zum Badi-Abbruch nie auf fachlichen Grundlagen begründet gewesen seien.

Technikräume belassen

In Ihrer Mitteilung (siehe PDF am Schluss dieses Kommentars) schreibt die «IG Badi Lido bleibt offen»: «Falls bei der Badi Lido überhaupt etwas abgebrochen wird, sollten wenigstens die Technikräume für die Wasseraufbereitung und die Heizung des Eisstadions belassen werden.» Diese entspreche auch den zwei Ingenieur-Berichten von Ende 2020.

Millionen sparen

Allein mit dem Bestehenlassen dieser Räume könnten für 2023 budgetierte Kosten der Stadt für eine neue Stadionheizung (700'000 Franken), die geplanten Betriebsräume (830'000 Franken) und ein Teil der Abbruchkosten (750'000 Franken) gespart werden.
Würde auch die unnötige Flachdachsanierung der alten Badi-Garderoben (350'000 Franken) nicht gemacht werden und der Bau von Büros für die Lakers (550'000 Franken) aufgeschoben werden (der dann später sowieso wieder am falschen Ort sein könnte), würden für die Stadt Kosten bis 3 Millionen Franken wegfallen

Morgen Freitag wird Linth24 einen Bericht zur Badi Lido publizieren, in dem im Detail aufgezeigt wird, wie der Stadtrat in sein Badi-Desaster marschierte und wie wenig glaubhaft er sich darin gibt.

Bruno Hug