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Uznach
10.01.2022

Wo versteckt sich der Gartenschläfer?

Der Gartenschläfer ist ein süsser Kerl – und das Tier des Jahres.
Der Gartenschläfer ist ein süsser Kerl – und das Tier des Jahres. Bild: Jérôme Stern/Linth24
Der Gartenschläfer ist das «Tier des Jahres. Das Nagetier ist niedlich und perfekt seinem Lebensraum angepasst. Stellt sich bloss die Frage: Wo kann man ihm in der Region finden?

Pro Natura hat den Gartenschläfer zum Tier des Jahres gekürt. Nun möchte Linth24 wissen, wo man das winzige Säugetier aus der Familie der Bilche in der Region beobachten könnte. Deshalb treffen wir uns mit dem renommierten Wildtierbiologen Klaus Robin aus Uznach im Joner Wald. 

Während Robin in Richtung Werkhof Grunau schreitet, erklärt er ohne Umschweife, dass der Gartenschläfer erst in Lagen oberhalb 800 Meter vorkomme. Wobei er anfügt, dass der nächste Verwandte des Gartenschläfers – der Siebenschläfer – in der Region durchaus häufig sei. «Allerdings haben wir überhaupt keine Chancen diese Tiere heute zu sehen. Erstens sind sie ausschliesslich nachtaktiv. Und zweitens machen sie derzeit ihren Winterschlaf.»

Klaus Robin zeigt, welche Knospen ein Siebenschläfer bevorzugt. Bild: Jérôme Stern/Linth24

Lehrreicher Spaziergang

im Gespräch erweist sich Klaus Robin als wahre Fundgrube an Wissen. Auf jede Frage zu den hiesigen Wildtieren hat er eine Antwort bereit. Wo der Gartenschläfer regional beheimatet ist? «Er ist fast überall in den Voralpenwäldern anzutreffen. Hauptsächlich in Lagen zwischen 1000 und 1500 Metern.» Ein Problem bei der Beobachtung des Gartenschläfers sei der Nachweis: «Weil sie ausschliesslich nachtaktiv sind, ist es schwer, sie nachzuweisen.» Meistens entdecke man die Tiere nur durch Zufall, zum Beispiel in einem Nistkasten. 

Wie zum Trost, dass das Tier des Jahres in der Region nicht vorkommt, erwähnt der Biologe dessen nächsten Verwandten, den Siebenschläfer. «Diese Art kommt in der Region häufig vor. Und er trägt seinen Namen zu recht, weil er tatsächlich sieben Monate im Jahr schläft.» Diese Gewohnheit hätten alle Tiere in der Familie der Bilche. Mittlerweile hat Robin den Werkhof der Ortsgemeinde erreicht. Drinnen packt er aus seinem Rucksack ein Buch aus, deutet auf ein Foto des Gartenschläfers und schwärmt regelrecht von ihm. «Es ist ein wunderschönes Tier. Um die Augen hat er eine schwarze Maske, ansonsten ist er beige-silbern gefärbt.»

Gartenschläfer wie Siebenschläfer sind nachaktiv und deshalb schwer zu beobachten. Bild: Jérôme Stern/Linth24

Faszinierende Schlafgewohnheit

Hervorstechendes Merkmal sowohl des Gartenschläfers wie auch des Siebenschläfer ist – wie der Name sagt – ihre Schlafgewohnheit. Um den Winter zu überstehen ziehen sie sich in Baum- oder Erdhöhlen zurück. Dort schlafen sie von September bis April, wobei sie ihre Herzschlagfrequenz von 300 auf 5 Schläge pro Minute verringern. Dabei fällt ihre Körpertemperatur bis auf fünf Grad. 

Klaus Robins Begeisterung für Wildtiere ist ansteckend. Während des Spaziergangs beginnt man die Natur mit offeneren Augen zu beobachten – und fragt sich, wo sich ein Siebenschläfer allenfalls zum Schlafen versteckt haben könnte. Etwa in diesem Nistkasten? Oder dort in der Baumhöhle? Tatsächlich ist der Wildtierbiologe auch Kolumnist und Buchautor. So schrieb er zwischen 2006 und 2019 für die «Südostschweiz» und «Linth-Zeitung» etliche Kolumnen über Natur, Umwelt, Politik und Gesellschaft. Zudem hat es bis jetzt sieben Bücher publiziert, wobei sein neuestes mit dem Titel «Beobachtungen» soeben erschienen ist. 

Unterdessen haben wir wieder unseren Ausgangspunkt erreicht. Für Klaus Robin ist die Idee hinter dem Titel «Tier des Jahres» ein gelungener Schachzug: «So lenkt man die Aufmerksamkeit auf ein Tier, das sonst völlig untergeht. Jetzt wäre es konsequent, dass man die Leute darauf aufmerksam macht, dass es in den Hecken mehr Beerensträucher für die Tiere braucht.» Auch wünscht er sich, dass Gartenbesitzer anstatt exotische Sträucher wieder mehr einheimische Gewächse pflanzen. «Und dafür braucht es nach wie vor permanente Öffentlichkeitsarbeit und viele Erklärungen.»

 

Klaus Robins Wissen über Wildtiere ist enorm. Bild: Jérôme Stern/Linth24
Jérôme Stern, Linth24