
«Hell’s Kitchen» ist in. Das New Yorker Viertel, das zwischen der 34. und 57. Strasse auf der West Side Manhattans und dem Hudson River liegt, gehört heute zu den neuen hippen Vierteln der Insel Manhattan.
«Hell’s Kitchen» aber hiess nicht umsonst «Küche der Hölle»: Die Gegend hatte vormals einen wirklich schlechten Ruf. Sie war bekannt für seine zwielichtige Bewohnerschaft von Drogendealern und Prostituierten, allerdings auch gemischt mit einer Schichtung von ordentlichen Hafenarbeitern und von neuen Einwanderern, die noch den amerikanischen Traum von Aufstieg und dem Eigenheim in den grünen Vororten träumten.
Das Leben im Viertel, in welchem unter anderem auch die Sängerin Alicia Keys ihre Kindheit verbrachte, war rau und nicht ungefährlich. Bandenkriege prägten die Geschichte seit der Gründerzeit. Trotzdem lebten hier auch viele normale Familien. Auch Schauspieler und viele Künstler fühlten sich wohl in «Hell’s Kitchen». Alle liebten den unverfälschten Charakter dieser Strassen, in dem sonst von Bürgermeister Giuliani flächendeckend gesäuberten New York.
Die Gegenwart sieht ganz anders aus. Heute florieren in «Hell’s Kitchen» schicke Brasserien und lässige Designerläden. Nachts trifft man kaum noch auf dunkle Gestalten, sondern eher auf vergnügte Grüppchen, die von Insider-Bars zu den sogenannten «Hidden Clubs» stolzieren.
Der Fotograf Bernd Obermann lebte zwischen 1996 und 2010 in New York, eben in «Hell’s Kitchen». Er hat die Verwandlung «seines» Viertels mit angesehen. Er selbst spürte den Verlust, den seine Mitbürger hier erleiden mussten und er sagt dazu: «Hier wurde einem ganzen Stadtteil die Seele entrissen, als ihre ursprünglichen Bewohner rausgekehrt wurden, als hätten sie hier nichts mehr zu suchen.»
In der Ausstellung «Hell’s Kitchen - Forgotten Places» werden eindringliche Bilder von Menschen und Räumen gezeigt, die man dort nicht mehr finden wird - sie ist eine melancholische Retrospektive von verlorenen Orten.
Obermann wurde 1954 in Oberhausen (Deutschland) geboren. 1977 wurde er freier Fotograf für «Bunte», «Esquire», «Focus», deutsche «Vogue», «Quick», «Sipa», «Stern», «The New York Times», «Die Welt» und viele mehr. Während seiner Karriere arbeitete er als Fotoreporter in Afghanistan, Kanada, Indien, Nordafrika, Pakistan, Sarajevo, Somalia, Sowjetunion, Spanien, den USA und in anderen Ländern. Seit 2010 wohnt er in Hamburg.
Die Vernissage der Ausstellung unter Anwesenheit von Bernd Obermann findet am Freitag, 9. Juli, um 18 Uhr im Polenmuseum Rapperswil statt. Für die musikalische Begleitung sorgen Felix Huber (Piano) und Witek Kornacki (Saxophon/Klarinette). Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der amerikanischen Botschaft in Bern.
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