
Reizüberflutung ist für manche Menschen ein grosses Thema. Was für ein Riesenerlebnis war doch das Lachner Seenachtsfest letztes Wochenende. Die Highlights jagten einander. Die Patrouille Suisse düste actionreich am blauen Sommerhimmel, die Biker sprangen mit ihren Fahrrädern meterhoch und das Feuerwerk war eine Pracht in der sternenklaren Nacht. Millionen Eindrücke buhlten um die Gunst unserer Netzhaut, kitzelten unsere Gehörgänge und stimulierten die Emotionen. Genau dies ist wohl der Sinn eines solchen Grossanlasses: Freude nähren, ein Erlebnis schaffen und Geselligkeit fördern. Schön. Trotzdem frage ich mich manchmal, wohin wandern eigentlich all diese aufgenommen Eindrücke schlussendlich? Haben wir irgendwo in unserer Psyche ein Kesselchen mit der Aufschrift «aufgenommen»? Klar, ich weiss, sinnliche wie auch weniger sinnvolle Eindrücke schaffen neue Nervenbahnen in unseren Gehirnen. Bedeutet dies, all die äusserst lebendigen Eindrücke enden als Nervenfaser? Ganz fad in der Farbe und ohne Möglichkeit für eigene Impulse? Und wie real sind für uns jene Eindrücke, die wir zwar wahrnehmen, aber nachweislich gehirntechnisch nicht speichern? Ich weiss nicht, wie das bei Ihnen ist. Für meinen Teil möchte ich manchmal mein Kesselchen leeren, es einfach ausschütten, die neuen Nervenbahnen für einen Moment am Wachsen hindern, einen Behälter ausserhalb von mir beschriften mit «abgelehnt». Ich fühle mich öfters «überfüllt», von Reizen zugekleistert. Natürlich mag ich wie die meisten Menschen tolle Erlebnisse und das Seenachtsfest war wirklich eine Wucht. Ich bin ja keine Spielverderberin. Letzte Woche stieg ich jedoch ausnahmsweise für sechzig Minuten aus dem Spiel aus. Völlig schwerelos auf einer Salzsole treibend, umhüllt von den abschirmenden Wänden eines grossen Tanks, sanft bestrahlt von einer warmen Lampe und berieselt von weiten, meditativen Klängen schwebte ich für eine Weile im geistigen Nirgendwo. Floating heisst diese wohltuende Wellness. Die fehlenden Reize bewirkten bei mir, dass ich neue Kräfte tanken und mein Kesselchen endlich leeren konnte. Wieder aufnahmefähig startete ich in das arbeitsreiche Wochenende inklusive Seenachtsfest. Diese Reizlosigkeit ist wirklich reizend, probieren Sie es aus.
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